Gästezimmer in Costa Rica

how everything began Teil 1 + 2

Lesenswertes rund um das Thema Costa Rica

how everything began Teil 1 + 2

von A-lemann » Sa Okt 20, 2018 4:38 am

Keine Geschichte aus / über CR, aber nicht weniger unterhaltend.


how everything began Teil 1

Die Reise zum heißen Kontinent.

Endlich, nach acht Monaten war es fertig, und auch noch besser als neu.
Das Hymer 540 Wohnmobil, welches bis vor einem Jahr noch bei Karstadt als Mietmobil- seinen Dienst tat. Bis es dann in Flammen aufging und Werner die Überreste nach lesen einer Annonce in der Gelsenkirchener Zeitung in Augenschein nahm.
Na ja der Wohnbereich war total verkohlt, aber das integrierte Führerhaus noch brauchbar, und der 240D Motor mit Automatikgetriebe hatte erst 60.000 km runter. Und dieser wurde auch nur zum Verkauf angeboten, – zum selbst ausbauen. Für 6000 Märker.
Das war die Gelegenheit für ihn, ein nobles Mobil für wenig Geld sein eigen zu nennen. Und da er bis dato schon mehrere Fahrzeuge zu Wohnmobilen umgestaltet hatte nebst Sonderabnahme beim TÜV, hielt ihn nichts davon ab.
Da er zur Zeit in einer Heizung & Sanitärinstallationsfirma als Allrounder arbeitete, ein lockeres Arbeitsverhältnis hatte und sein lieber Chef Willi ihm ein Platz in der Lagerhalle zur Verfügung stellte, nahm er das Teil Komplet mit. Und nach acht Monaten eben hatte er ein schickes Teil mit allem möglichen technischen und optischen schnick – schnack.
Der fuhr sich wie ein PKW und wurde als alleiniges Fahrzeug auch zum Einkaufen im Stadtzentrum genutzt. Dort auf einem Parkplatz lernte Werner Karl kennen, Marktmeister vom Ordnungsamt der Stadt. Als passionierter Camper und Träumer, hofft er, eines Tages auch so ein Fahrzeug zu besitzen. „Und ein Bekannter von mir ist Gebrauchtwagen Händler, wenn du den Wagen mal verkaufen möchtest …“
Bald lernte Werner auch Alfred kennen, und die drei schmiedeten Pläne … warum nicht zu dritt einen Herrenausflug machen … drei Wochen Afrika – mal sehen, ob das Wägelchen was taugt. Gesagt, getan …
Und in Marrakesch wollte Werner seine Fatima, die er im ″Café Paris″ kennenlernte, mit auf den Campingplatz nehmen … doch die Hüter des Platzes waren ganz schön auf Zack, denen entging nichts!
Stand es auch groß und breit angeschlagen, in den gängigsten Sprachen, dass der Zutritt für ″Morros″ streng verboten war! Die kontrollierten beim Eingang und fanden das Mäuschen natürlich.
Au! Man! Wie sie die beschimpften und wegjagten! – das tat Werner doch sehr leid.
Nun konnte Alfred endlich loslegen: „also, sag mal! Dass du sowas machst, hätte ich nicht gedacht! Bist doch verheiratet und hast sogar ein Kind … und gerade hier – wo die doch in Afrika die höchste Aids rate haben –, dein Leben so aufs Spiel zu setzen, den Tod so herauszufordern!“
Werner sagte ihm, dass sein Leben sowieso verpfuscht war und mit dem Tod ihn keiner erschrecken konnte. Und das Leben doch wie ein Spiel wäre, das einen Einsatz verlangte und ohne Rücksicht auf Verluste abkassierte, wenn man es am wenigsten erwartete. Man durfte halt nicht verlieren.
Neues Spiel – neues Glück! Das war halt Werners Einstellung, mit der er doch auch schon ganz schön weit heruntergekommen war.
Die beiden wussten ja nicht viel von Werner, Alfred am wenigsten. Auch kannten sie sich kaum und hatten noch gar keine Gelegenheit, sich so richtig zu unterhalten.
Denn auf der Hinfahrt hatten die beiden nichts Besseres zu tun, als die gebunkerten Schnapsvorräte aus dem Aldi zu vernichten und waren drei Tage nur am Lallen.
Und Nachschub gab es hier nicht. Also konnten sie sich jetzt so richtig ausgiebig unterhalten und sollten so einiges über Werner erfahren:
Das er ein toller Hecht war und kein Sprücheklopfer, das hatten sie ja schon mitbekommen. Den Rest konnten sie ja auch wissen, war doch kein Geheimnis! Dass er zuletzt einige Jahre als Klempner und Rohrverbinder gearbeitet hatte und nun erst mal ins Leben einsteigen wollte …

Ja, wenn das so ist …! – „Was bist du? Klempner? … Dann kannst du ja auch Kupfer löten? …“
„Ja, Mensch! Das ist ja ein dolles Ding!“ meinte Alfred. Bin schon ewig lange einen Klempner am Suchen; konnte jedoch keinen finden.
„Alfred, nun hast du einen. Und wenn wir zurück sind, mach' ich dir, was du willst.“
„Nein, also, so einfach ist das nicht! Das ist schon ein bisschen aufwendiger – eine Auslandsbaustelle.“
Alfred hatte einen alten ″Tempel″ mit zwanzig Apartments auf einer der kanarischen Inseln, auf Lanzarote. Der Kasten ist zwanzig Jahre alt und die ganze sanitäre Installation wäre zu erneuern. Auch fielen die Fließen von den Wänden sowie der Putz von den Decken.
Die Anlage wurde gebaut, um es an Berliner Touristen zu vermieten. Doch das lief nicht. So wurden die Apartments von Spaniern bewohnt, die bis heute noch darin hausen; sich aber nun beschweren, dass Wasser durch die Decken tropft, wenn überhaupt mal welches kommt. Und auch kein heißes Wasser gibt es, weil die Gas – Thermen nicht mehr funktionieren. Darum zahlen die einfach keine Miete mehr und kommen noch mit der Polizei. Und nun hat die Behörde ihn gerichtlich aufgefordert, das zu reparieren!
Zwei dieser Wohnungen wurden jedoch von ihm und seiner Frau Gisela benutzt, die den deutschen Winter über, dort zusammen mit ihrem Yorkshireterrier verbringt. Er ist dann auch mit Unterbrechungen immer wieder dort. Musste sich eben manchmal um seine Gebrauchtwagen kümmern, konnte dieses trottelige Personal nicht lange alleine lassen – genauso wenig wie seine Frau.
„Alfred, Mensch, das gibt’s doch nicht …! Wann kann ich anfangen?… Und wie ist das Wetter dort?“
„Am besten so schnell wie möglich. Und auf der Insel sind dreihundertsechzig Sonnentage mit wenig Temperaturdifferenz zwischen Tag und Nacht. Halt immer schön warm … Und Weiber gibt’s da, jede Menge Touristen: Schweden, Engländer, und deutsche in der Mehrzahl … “
„Auwei! Alfred!“
Und, und, und?
„Aber da müsste ich doch fliegen?“
„Ach, du! So wie du fährst, ist da nicht viel Unterschied! Auch dauert der Flug nur dreieinhalb Stunden.“
„Auf keinen Fall! Das vergiss mal! Ich komm nur dorthin wo mein Auto hinfährt …“
„Na ja! Da gibt es noch eine andere Möglichkeit, die aber ziemlich anstrengend und langwierig ist. Von Cadiz aus geht jeden Freitag eine riesige Autofähre, genau so wie hier nach Afrika. Nur ist die viel größer und fährt über den offenen Atlantik.“
Das hörte sich doch extrem gut an – nach exotischem Abenteuer, ohne Reiseleiter. Das wollte er erleben.
„So, Jungs! Dann können wir uns doch nun auf den Rückweg begeben.“
Mit diesen neuen Aussichten hatte sich die Angelegenheit hier in Afrika erst mal erledigt.
Auch die kleinen Berberhäschen mit den Frotteemuschis waren ja aufgeklärt. Wussten sie doch nun, dass ein Alemán in den sexunddreißiger Jahren seine Waffe immer schussbereit hat, wenn ein lohnendes Ziel ihm lacht.
„Vielleicht sollte ich die kleine suchen und noch wenigstens bis zur Grenze mitnehmen? – Dann wäre die erotische Versorgung gesichert“
„Bloß nicht! “, meinten die beiden. „Da würden wir wegen des hohen “Verkehrsaufkommens“ doch nicht vorwärts kommen.“
„Ja, aber …“
„Ach, warte erst mal ab, was du dir alles weggeholt hast!“
„Ne! Ich bin kerngesund … Na gut, dann eben nicht. Aber ihr, sauft auch nicht so viel!“
Später, im erstbesten Laden in Spanien, mussten sie gleich nachtanken.
Auf dem Rückweg wollten sie sich Zeit nehmen und über die Nationalstraße N340 fahren, um die hohe peaje für die Autovía zu sparen. Und mal sehen, was es dort zu sehen gab, wo der größte Teil des Fernverkehrs abrollte.
Auf jeden Fall könnte man dort überall gut und preiswert essen!
Komisch, Werner hatte bei seinen früheren Marokko – reisen mit seiner Freundin Fee niemals darauf geachtet, was sich da so links und rechts an den Straßen abspielte. Auch nicht auf diese vielen blinkenden, bunten Lichtern an vielen Lokalitäten, die besonders in der Dunkelheit auffielen.
„Lasst uns doch mal eine Pause einlegen und was trinken, scheint nicht viel los zu sein, steht kein Auto auf dem Parkplatz – vielleicht haben die gerade erst geöffnet!“
Nach dem Eingang kam ein kleiner Vorraum, der mit einem dicken Vorhang vom eigentlichen Gastraum – in dem ein gemütliches, angenehmes Dämmerlicht herrschte – getrennt war. Weiter vorne befand sich eine, die ganze Raumbreite einnehmende Bar mit bequemen, gepolsterten Barhockern.
Ob sie Kaffee hätten?
„Nein, so was führen sie nicht. Nur Säfte und scharfe Sachen.“ und mit einem merkwürdigen Blick, sowie einer weisenden Armbewegung deutete er auf den in ihrem Rücken liegenden Hintergrund.
Gibt’s das? – in einer Mauernische stehen doch da sechs Señoritas, nur mit einem Mini – Bikini behaucht und ließen nichts zu wünschen übrig!
Werner wünschte sich, der Gasofen zu sein, um den sie sich scharten – und der es nicht schaffte, sie vor dem Frieren zu bewahren, was an ihrem zitterndem verhalten zu erkennen war. Denn im Dezember war es auch hier in der Nacht empfindlich kühler.
Komisches Personal hatten die hier; aber wie Kellnerinnen sahen die nicht aus – eher wie Liebesdienerinnen.
Huch, waren sie doch tatsächlich in einem Bordell gelandet.
Werner kannte so etwas nicht; hatte es doch nicht nötig, desgleichen zu besuchen, wann auch?
Karl und Alfred waren sofort startbereit!
„Nu’ wartet doch mal! Ist doch ganz interessant. Lasst uns doch erst mal einen Saft trinken und ein bisschen äugen; sind doch ein paar sehr appetitliche dabei!“
Doch guckte Werner wohl zu viel, denn eine der Süßen, die auf diese Distanz und in der Dämmerung betrachtet aber auch so gar keinen Wunsch übrig zu lassen schien, stand auch sogleich neben ihm: „Hola! Mi Amor.“
Ja, ja. Am Ohr.
Und schon war sie ihm die Brust am Streicheln und das Ohr am Belutschen.
Das wäre jedoch gar nicht nötig gewesen, um ihn anzumachen. Dazu reichte es schon, die Nähe ihres Körpers zu spüren, der ja nur mit einem hauchdünnen, winzigen String, dessen Schnüre über ihre markanten Hüftknochen nach hinten zu dem zwischen den runden Pobacken liegendem faden führte, und den zwei kleinen, schwarzen Vinyldreiecken, hinter denen sich ein kleiner Teil der strammen Brüste versteckte, dekoriert war. Und dann noch diese gewellte hellblonde Haarpracht bis zu Taille.
Wenn das mal kein Sündenengel für teuflisch geile Spielchen war?
Doch genau das war sie! Französin und zwanzig lenze jung.
Mehr brauchte Werner doch nicht zu wissen, um ihr zu erlauben, dass sie seine Hand an ihre intimste stelle führte – was bisher ja auch noch gratis war, da sie ja nur neben ihm stand.
Hier durfte man die Ware also noch mit der Hand anfassen, das Obst auf Druckstellen prüfen! Die Werner aber nicht finden konnte.
Plötzlich wurde er brutal aus seinem Traum gerissen!
Karl wollte den Autoschlüssel haben, sie wollten im Wagen auf ihn warten.

Da Werner ja nun wusste, was ihn in diesen bunt beleuchteten Häusern erwartete, und sie noch hunderte von Kilometern zu fahren hatten, konnte er es kaum abwarten, zum nächsten zu gelangen, von denen es an der Landstraße mehr gab als Sand am Meer.
Das musste hier wohl ein Volkssport sein!
Doch – zur Erleichterung seiner beiden Mitfahrer, die sich letztendlich dem Willen des Kapitäns fügen mussten – fand er in mindestens zehn von diesen " Beischlaftempeln", wie Alfred sie nannte, kein geeignetes, nach seinem exzellentem Geschmack erschaffenes Liebesopfer
Für die beiden war es gar nicht so einfach, mit jemandem auszukommen, der vom Saufen nichts wissen wollte, dafür aber ständig Liebestrunken war.
Als Werner sie zu Hause absetzte, musste er erinnern, dass sie ihm noch jeder die anteiligen Reisekosten für achttausend Kilometer in Höhe von 320 DM schuldig waren!
Da versuchten sie doch tatsächlich noch zu feilschen, wofür er aber gar kein Verständnis hatte.– Doch wollte er seinen Unmut nicht zu sehr zum Ausdruck bringen, denn den Alfred konnte er je eventuell noch gebrauchen.

Karl dagegen war wirklich, wie ihn Alfred besonders im Suff gerne nannte, ein Möchtegern und Quackersack – der, als Werner ihn das nächste Mal wieder sah, Witwer war und mit der zwanzigjährigen niedlichen Frau seines verstorbenen Sohnes samt Enkel in einem großen Wohnmobil zusammenlebte. Das war zwölf Jahre später, da war er 60, als er ihm voller Begeisterung mitteilte, dass es mit jungen Frauen, die einen hübschen Körper haben und es auch noch verstehen, sich sexy zu kleiden, doch viel mehr Spaß mache. – Jaja, da musste doch was dran sein, warum sich gerade ältere, reiche Männer gerne mit jungen, hübschen, aufreizenden Mädchen umgeben.




how everything began Teil 2

Wer stirbt schon gerne unter Palmen.

Erstes Kapitel

So wie das Spiel des Lebens meistens verlieren lässt, so ließ es Werner endlich einmal wieder gewinnen. Er konnte dank Alfred endlich über seinen Schatten springen und der Neuanfang sollte die Auslandsbaustelle sein. Endlich, mit 38 könnte sein Traum wahr werden.

Nach den letzten, endlos erscheinenden zwei Jahren, war die Reise nach Marrakesch, mit Karl und Alfred, ein Geschenk des Himmels, die entscheidende Wende.

Werner hatte in den darauffolgenden Tagen nach ihrer Rückkehr die Einzelheiten mit dem vierundfünfzig jährigen besprochen und sie waren so verblieben, dass Werner sein Wohnmobil stehen lässt um mit einem alten VW – Passat, den Alfred auf Lanzarote nutzen wollte, und den einer seiner Angestellten, durchgecheckt, vollgetankt und vollgepackt mit allem möglichen Hausrat in den nächsten Tagen vorbeibringt, die Strecke fährt.
Denn wohnen könnte Werner selbstverständlich in dem Apartment über ihnen. Und seine Gisela wäre eine sehr gute Köchin.

Und an jenem kalten Morgen, an dem Werner seine Fee und Chefsekretärin ins Büro zu fahren pflegte, stand der Goldfarbene Passat dort unauffällig in der Seitenstraße.
Jetzt oder nie!
Zitternd schmiss er den lauten zweihundert vierziger Diesel seines Wohnmobils an, der wie meistens, einige Nachbarn aus dem Schlaf riss.

Aber diesmal zitterte Werner nicht vor Kälte …
dieses sollte die vorläufig letzte fahrt mit seinem geliebten Wagen sein.
Ein merkwürdiges Gefühl beschlich ihn während der zehn minütigen Fahrt zum Büro nach Gelsenkirchen – Buer. Konnte er es wirklich so machen? Ihr das Herz zerreißen – sang- und klanglos aus ihrem Leben verschwinden? Als die große Liebe ihres Lebens, einfach spurlos aus ihrem Leben verschwinden.
Er kam zu dem Entschluss, nicht zuletzt aus Überlebens strategischen Gründen, dass sie es nicht besser verdient hatte.

Sie waren jetzt beinahe dreizehn Jahre zusammen, die letzten beiden Jahre sogar richtig verheiratet. Fee war ein Koch, Back und Strickwunder. Und auch in sexueller Hinsicht, war nichts zu beanstanden. Eigentlich waren sie glücklich, verdienten beide gutes Geld und wohnten auf ihren Wunsch hin, seit nunmehr sieben Jahren, für 350 DM im älteren Einfamilienhaus ihrer Eltern. In der Wohnung über ihnen.
Tja, – so ein Werner im Haus machte natürlich jeden Handwerker entbehrlich.
So weit war ja auch alles gut – bis, ja bis Fee nach einer vierwöchigen Tour durch Marokko, einschließlich einem teil der Sahara, auf der sie wieder einmal vor Angst fast gestorben wäre, meinte, sie müsse sich jetzt mal vom Arzt richtig durchchecken lassen.

Nicht nur, weil sei eine leichte Schilddrüsenüberfunktion hatte und demzufolge täglich eine Tablette nahm. , sondern auch wegen der ganzen Bakterien, die sie bis in die Sahara verfolgten.
Sie kam freudestrahlend nach Hause: „ Alles in Ordnung soweit, ich brauch auch keine “TABLETTEN“ mehr einnehmen!
Sagte aber nicht, dass die Antibabypille auch zu diesen Tabletten gehörte!
Und ruck – zuck war sie schwanger!

Das hätte ja an sich überhaupt kein Problem dargestellt, wenn sie beide nicht, als sie sich kennenlernten, in einvernehmender Übereinstimmung einig gewesen waren keine Kinder haben zu wollen!
Werner nicht, weil er so etwas schon als “Jugendsünde“ durchlebt hatte – aber die Argumente ihrerseits waren wesentlich schwerwiegender.
So kam das unvermeidliche auf sie zu … wobei die Geburt mittels Kaiserschnitt noch das kleinste Übel war.
Sie nannten das kleine, blonde Püppchen Linda. – bis dahin ahnten sie ja noch nicht, was auf sie zu kam …

Die erste Blutuntersuchung brachte es ans Licht, ihre kleinen Nieren waren verkrüppelt, konnten nicht die Filterfunktion erfüllen und ließen alle lebensnotwendige Mineralien durch.
Sowas nannte sich “Nephrotisches Syndrom.“
Wie ihnen die Fachärzte des Uniklinikums in Essen, wirklich sehr bestürzt über ihr trauriges Schicksal, ausführlich erklärten, gaben sie Linda zwei Wochen …! Es gäbe für diese Art der Krankheit keine medizinische Lösung, nicht hier und nirgendwo. Auch würde sie sich nicht weiterentwickeln können.

Das wollte Fee aber überhaupt nicht wahr haben und versuchte mit allen Mitteln das kleine blasse Leben zu verlängern. Sie musste von einem Klinikum zum anderen hetzen und alle wollten Blut und Gewebeproben.
Nach ein paar Monaten des Martyriums verfiel die kleine Linda in Schreikrämpfe, wenn sie nur weiße Kittel sah. Auch durfte sie nur so wenig wie möglich Flüssigkeit zu sich nehmen.
Und Werner musste natürlich überall mit dabei sein, sie quer durch Deutschland fahren … auch mit ihr die verschiedenen Selbsthilfegruppen besuchen – er war ja schließlich auch an der Entstehung beteiligt …

Da kehrte sie ihr herrisches Wesen wieder mal so richtig heraus, worüber Werner in der Vergangenheit gelassen hinweggesehen hatte.
Als Linda dann zweieinhalb Jahre lang von ihr gequält worden war, als Werner von der Reise mit Alfred und Karl zurückgekehrt war, erzählte er ihr von seinen neuen, ungeahnten Möglichkeiten die sich wie durch ein Wunder ergeben hatten und dass sie und die Kleine doch mitkommen sollten, schließlich kannte sie doch Werners unerschöpfliche Fähigkeiten.
Wenn Linda dann endlich sterben durfte, würde sie sie dort auf dem Friedhof beisetzen und sie wäre für immer in ihrer beider Nähe.
Da wollte Fee aber überhaupt nichts von wissen!


Zweites Kapitel

Und so geschah es, das Werner sie am Büro aussetzte, … ein letztes Küsschen, – ein letztes Mal sprang die statische Aufladung ihres Mohair Pullis schmerzhaft auf seine Lippen über und dann – nicht dass er es nicht versucht hatte – auf und davon!

Er fuhr jetzt mit gutem Gewissen nach “Hause,“ vergewisserte sich im Mobil alles ausgeschaltet zu haben, packte nur einige Tangas, Socken, eine Hose, ein paar t Shirts, sein Kulturtäschchen seinen Pass, Schlüsselbund und ein wenig Kleingeld ein. Mit einer Einkaufstüte in der Hand verließ er das Haus, blickte sich noch einmal zurück um zu winken. Sicherlich stand hinter der Gardine die Schwiegermutter und schaute unsichtbar.

Dann schwang sich Werner in den alten VW-Passat, fuhr noch bei ihrer Volksbank vorbei, hob 300 DM vom gemeinsamen, 2000 DM schweren Konto ab, verabschiedete sich freundlicher als jemals zuvor, von den netten Angestellten – und machte sich sprichwörtlich aus dem Staub.

Und er fuhr der Sonne entgegen, als im Radio auch noch den Song von Madonna erklang – “La Isla bonita,“ kamen dem sonst unerschütterlichen Mann die Tränen. Auch musste er an seine Eltern denken, die sich wohl am meisten sorgten, wenn ihr einziges Kind plötzlich nicht mehr da ist. – so leid es ihm auch tat, er konnte ihnen sein Vorhaben nicht mitteilen, so gern er es gemacht hätte … und die, ausnahmsweise einmal, nur ihm alleine, vor kurzem 5000 DM zugesteckt hatten – zum Trost, und wie sein Vater zum wiederholten Male meinte: „mein großer Junge, die Weiber sind mal dein Verderb!“

Alfreds Karren sollte ja angeblich durchgesehen worden sein! Einige mal blieb er liegen, nicht zuletzt wegen eines undichten Kühlers. Doch er kam, sich durchfragend, einen Tag später als geplant heil an der Anlegestelle der Fähre im Hafen von Cadiz an. Erwartungsvoll hatte er sich in den letzten Wochen auch intensiv mit der schönsten Sprache der Welt beschäftigt.

Nach einigen Stunden beharrlichen Wartens wurde seine Ausdauer belohnt!
Es waren alle Plätze verkauft – bis auf die, deren Reservierung nicht wahrgenommen worden war. Das waren zehn freie Plätze, von denen Werner die Nummer Acht hatte.
Na also, es geht doch gut weiter, wenn auch ganz schön teuer! Denn diese Überfahrt ins Paradies kostete mal eben 1200 DM.
Ach was soll’s! Das musste der Alfred doch bezahlen, dachte Werner sich logischerweise, ist doch sein Auto das er aus Gefälligkeit überführt
Zum guten Schluss durfte er als letzter rückwärts aufs Schiff und wurde in eine Lücke gleich neben der Rampe gequetscht.
Nun war es aber an der Zeit, die Kabine zu suchen und endlich zu duschen!
Nach endlosen versuchen, auf diesem schwankendem Boden sein Bett zu finden, zeigte er einem, der so aussah wie ein Kellner, seine Eintrittskarte, damit er ihn auf den rechten Weg führte. Was er auch gerne tat und mit Werner im tiefsten inneren, in dem der Gestank nach Bohnerwachs und Dieselöl noch intensiver wurde, verschwand.
Alfred hatte ihm ja schon von den verheerenden Zuständen erzählt; doch konnte er es nicht glauben, sich nicht vorstellen, dass einem Menschen so ein Loch zum Wohnen zugemutet wird. Und auch noch für so viel Geld!

Eines der vier Betten, besser gesagt, Verschläge – und natürlich das obere! – war noch frei. Herrje! Da wollte er sich auf keinen Fall niederlassen, in keines von ihnen! Da wollte Werner lieber im Stehen schlafen!
Auch die Dusche sah nicht einladender aus – mit den glitschigen Haaren im Abfluss und dem aus den ecken quellendem Schimmel.

Doch Werner wollte sich trotzdem das Salz vom Körper abspülen, das er seit der letzten Waschung im Meer an sich hatte und das ein unschönes Gefühl verursachte.
Also zog er sich in der Kabine aus und ging – nur mit seinem feuerroten String-Tanga von Bruno Banani bekleidet – über den Gang zu den Gemeinschaftsduschen, wobei ihm ein wohl zum Personal gehörender Mann aufmerksame Blicke zuwarf.
Ganz plötzlich stand er vor der offenen Dusche und reichte Werner ein Stück Seife. Dann glitt er ein Stück zur Seite und schaute ihm zu. Er stand dort wie ein Butler, mit dem Handtuch überm Arm und einem freundlichen Ausdruck im Gesicht.
Als Werner fertig war, bot er ihm an, den Rücken zu trocknen. – das war ja ein toller Service hie, wohl als Ausgleich für die dreckigen Duschen!
Der liebe Werner bedankte sich dann, so gut er konnte, und ging zurück in seine Kabine, wo es für den Rest der Körperpflege ein Waschbecken und Spiegel gab.
Frisch rasiert, jedoch mit einem mulmigen Gefühl im Bauch, wollte er feststellen, was es auf dem Dampfer Gutes für ihn gab! Als er aus der Tür trat, stand dort schon dieser nette Mensch und lächelte ihm zu.
„¡Hasta luego!“, sagte Werner zu ihm.
Schön, dass es noch so freundliche Leute gibt.

Dort unten im Unterdeck hatte Werner nicht mitbekommen, das sie inzwischen schon ausgelaufen waren. Das merkte er erst daran, dass Geradeaus laufen gar nicht mehr so einfach war. Er wollte seine kleine Plastiktüte aus Sicherheitsgründen ins Auto bringen und nur das Bargeld bei sich führen, damit er, falls sie absaufen, nicht ganz ohne was dasteht.
Das erwies sich als gar nicht so einfach, weil alle Türen, die zum Autodeck führten, schon verrammelt waren. Der zuständige Offizier, der ihn gerade noch so passieren ließ, meinte, dass es das letzte Mal ist; dann erst wieder, wenn das Schiff in drei Tagen in Teneriffa anlegt.
Das war schon ganz gut so. Andernfalls wäre der Laderaum ja ein Paradies für Autoknacker.
Als Werner dann endlich an der Reling stand und auf das nächtliche jMeer schaute, wurde ihm bewusst, das Seefahrern eigentlich nicht seine Stärke war; so schnell nahm sein Unwohlsein zu und die verdammte Migräne kam auch wieder.

Der Kaffee sowie auch der Brandy, der in seinem Magen den Wellen gleich auf und abrollten, konnten ihm keine Erleichterung verschaffen. So krank hatte er sich noch niemals gefühlt! Alles schwankte und drehte sich, als wäre er stundenlang Karussell gefahren.
Mit letzter Kraft setzte er sich in irgend einem Saal auf ein Sofa und wollte sterben.
Später brachte man Werner in sein Bett, aus dem ihm dann in Teneriffa derselbe freundliche Mann heraushalf, der ihm schon beim Duschen behilflich gewesen war. Er musste doch das Auto herausfahren, um einen Teil der anderen herauszulassen; nach ein paar Stunden wieder hinein. Das gleiche in las Palmas.
Mit dieser Verantwortung belastet, blieb Werner keine Zeit zum Sterben!
So kam er letztendlich – entgegen anderer Meinungen – doch schon in diesem Leben ins Paradies. Von dem er jedoch auf dem Weg zu Alfreds Tempel nicht viel mehr sah als Palmen, schwarze Asche, schwarze Berge und viele, viele Mädchen in den aufregendsten Tangas.

Drittes Kapitel

Das bekam Werner so eben noch mit, als Alfred das "Raumschiff" über die kilometerlange Strandstraße manövrierte, da lagen sie wie Filets auf dem Grill – braun von allen Seiten, aber schön lebendig, gerade richtig zum Aufspießen!
Auch konnte man sich daran satt sehen. So viel erotisch verpacktes Fleisch hatte Werner nie zuvor in solchen Mengen zu Gesicht bekommen. Und viele trugen ihre “Schwimmhilfen“ unverhüllt zur Schau.
Doch das beste wäre, wie Alfred begeistert meinte, dass jede Woche neues “Frischfleisch“ auf dem Flughafen ankommt!
Nachdem er Werner dann den alten Schinken in Form seiner Frau Gisela vorgestellt hatte, die mit ihrem Kläffer Timmi auf der Terrasse lag und sich ihre faltige Haut von der prallen Sonne bügeln ließ, legte er sich – trotz aller paradiesischen Aussichten – nach einer kleinen Mahlzeit ins Bett, um mindestens zwei Tage zu schlafen …

Aber schon am Tag darauf kam Alfred, besorgt um Werners Wohlbefinden, um ihn zum Essen abzuholen. Es gab gute, deutsche Hausmannskost, so wie er sie von seiner Mama und auch von Fee gewohnt war.
Ja, kochen konnte die schlanke Gisela, obwohl sie mit ihren Lockenwickler gestylten, blonden Haaren ganz und gar nicht danach aussah; war sie doch eher ein Typ, der mit Hund und Brokat Jäckchen auf der Promenade spazieren geht.

Nach dem guten Essen fühlte sich Werner stark genug, um mit Alfred abzurechnen.
Was …? Warum …?
Meinte Alfred, er sollte erst mal was arbeiten!
„Nein Alfred, es geht nicht um die Arbeit, sondern um die Reisekosten Abrechnung.“
Der fragte ganz frech, was er damit zu tun hätte?
„Na, doch alles … ist doch dein Auto!“
„Ja, aber, ich hab dir doch mein Auto großzügiger weise für deine Reise zur Verfügung gestellt!“
„Alfred, für MEINE Reise hätte ich mein Auto benutzt, wäre billiger gefahren, hätte besser geschlafen, das Essen hätte mich nichts gekostet und meine Gesundheit nicht gelitten, und, und, und. Nun muss ich irgendwann noch mal zurück nach Deutschland, um meinen Wagen zu holen; da zahle ich dann die Rückreise und noch mal die Anreise? Alfred, du altes Polenschlitzohr, ich bin zwar verrückt und ein bisschen gutmütig, aber noch lange nicht dämlich … so, hier sind alle Rechnungen. Das macht zusammen 1780 DM, ganz alleine von dir zu zahlen!“
„Ja, aber Mensch, du bist doch mit meinem Auto gefahren!“
„Dafür ist es ja auch heil angekommen mit all deinem Gerümpel … und wenn du jetzt noch viel gackerst, Alter, dann kannst du mich mal!“ „ Und such dir einen anderen dummen, der dir die Ruine restauriert!“

Jetzt tat er plötzlich so, als hätte er nicht gewusst, dass Werner nicht mehr nach Deutschland zurückwolle. Doch wenn das so ist, dann wäre es ja etwas anderes!
Diese stinkreichen Sklavenhalter von Alfreds Kaliber waren es doch, die ja in Deutschland mit dazu beitrugen, Werner das Leben zu versauern, sich an ihm bereicherten, wohl wissend der Abhängigkeit in der man sich befand.
Doch nun nicht mehr mit Werner! Schon gar nicht Alfred, den er eigentlich anders eingeschätzt hatte!
Als dann endlich 140 000 Peseta in Werners Besitz übergegangen waren, konnten sie noch einmal von vorne beginnen. Jedoch hatte sein Enthusiasmus schon etwas nachgelassen. Und um keine bösen Überraschungen mehr zu erfahren, bestand Werner auf wöchentlicher Abrechnung.

Er wollte mindestens zehn Stunden täglich schaffen, damit auch für ihn etwas dabei herumkommt. Denn schließlich musste er sich eine komplett neue Garderobe zulegen, die jedoch unter diesen klimatischen Bedingungen nicht sehr umfangreich sei musste.
Denn die Sonne schien hier jeden Tag; wenn auch manchmal nur bis mittags, so erreichte die Temperatur immerhin noch + 26 °C. Und das im Januar!
Wie wäre es erst im Sommer?
Schön heiß, sogar des Nachts.
Das konnte Werner nur recht sein. Zum Paradies gehörten nun mal auch paradiesische Temperaturen, die auf dem Flachdach der abbruchreifen Tempelruine – auf das ihn Alfred zunächst über eine wacklige, längst ausgediente Leiter führte, die auf einem der oberen Balkone stand – noch besser zu spüren waren.
Von hier aus hatte man einen herrlichen Blick auf den Atlantischen Ozean und einen Teil des an einem Hang gebauten Dorfes namens Puerto del Carmen.

Aber das war es nicht, was Alfred ihm zeigen wollte; sondern vielmehr die zehn übel aussehenden Behälter mit ihrer spektakulären Verrohrung, die seinerzeit die Trinkwasser Versorgung bei Stromausfall zumindest eine Zeit lang garantiert hätten.
Inzwischen gab es auch hier, wie Alfred versicherte, Trinkwasser aus der Leitung.
Dieses ermöglichte die Meerwasser Aufbereitungsanlage, da es auf der Insel kaum Wasser gab. Vor Jahren wurde das Wasser – wie auch vereinzelt heute noch an abgelegene oder noch nicht an die Wasserleitung angeschlossene Häuser – durch Tankfahrzeuge geliefert.
Zu diesem Zweck hatte jedes Haus einen Wassertank, so auch sein Tempel.

Und da hinein führte nun, mit einem Schwimmer Ventil geregelt, die Wasserleitung. Von dort aus ging es über eine elektrische Pumpe mit Ausdehnungsgefäß in die Leitung aufs Dach; von dort aus in die Apartments.
„Mein Gott, Alfred, so ein Aufwand! Das geht doch viel einfacher! … den ganzen Mist vom Dach schmeißen wir herunter; den ersetzen wir durch ein über die ganze Länge führendes 2-Zoll Kupferrohr als eine Art Druckausgleichsgefäß, von dem die einzelnen Wohnungen abzweigen … vor allen Dingen kommt in jedes Apartment ein Absperrhahn, damit nicht wie jetzt – wenn mal was zu reparieren ist – die gesamte Anlage ohne Wasser dasteht … auch bekommt das ganze einen Bypass mit Rückschlagventil, das heißt, einen Direktanschluss an die neue Wasserleitung, damit die Pumpe nur bei Druckabfall anspringt, da sparst du doch eine Menge Strom. Im schlimmsten Fall wäre dann kein Wasser da, wenn Strom und Dorfwasser zugleich Versagen. Sollte dieses eintreten, könnte man doch davon ausgehen, dass es nicht allzu lange anhält. “

Das war Werners Vorschlag; ob Alfred das verstand?
Egal, Hauptsache Werner wusste, wovon er redete.
Gut, er sollte dann einen Plan machen, um zu wissen, was an Material gebraucht wird.
Auch müsste er ihn noch den Bewohnern vorstellen, damit diese wissen, was auf sie zukommt.

Aber es kam wohl mehr auf Werner zu! Alle wollten das er bei Ihnen anfange; ihre “Wohnung“ wäre am schlimmsten zugerichtet.
In den kühnsten Träumen hatte Werner sich das nicht so extrem vorgestellt, nachdem er ja schon einige Tage in seinem Apartment wohnte und auch Alfreds gepflegte Stube kennengelernt hatte. Aber das lag auch wohl daran, dass er die drei für sich reservierten Apartments (abgesehen von dem, das er selbst mit Gisela bewohnte) nicht oft in den letzten fünfzehn Jahren benutzt hatte.

Doch die meisten der restlichen siebzehn Wohnungen ähnelten " Marihuana“ Bunkern und Hundeasylen, die – um niemandem Einblick zu gewähren – jahrelang nicht gelüftet wurden.
Nicht nur, das der Gipsputz in den Küchen und Bädern in Streifen von der Decke hing, mit Schimmel übersät waren und an den Wänden viele Fließen fehlten; nein, es waren auch auf Grund fehlender Reinigung die Küchen mit Fett und Schmier, die Bäder mit Kot und Urin übersät!!!
Und in diesem Chaos fühlten sich natürlich Millionen von gut fünf Zentimeter großen Kakerlaken wohl; die übrigens die einzigen, Werner sympathischen Bewohner waren.
Über diese Zustände erschrak sich sogar Alfred; hatte er noch niemals die Löcher von innen gesehen. Sie hatten ihn einfach nicht hineingelassen.
Aber nun müssten sie aber – aufgrund ihrer Anzeige – dem Klempner Zugang gewähren!

Werner schlug Alfred vor, für das Geld, was er da hereinstecken wollte, lieber Dynamit und einen Bagger zu holen, um dann was neues zu bauen.
Aufgeregt von der Sichtung meinte er: „ ja, du, wenn das mal so einfach wäre!“
„Irgendwelchen neuen Gesetzen zur Folge kann ich nur noch, wenn die Substanz einmal am Boden liegt, auf dem gleichen Grundstück nur noch einen Bungalow bauen!“
Aha, daher wehte also der Wind!
Jedoch renovieren könnte er, was es auch sei … auch wäre er schon lange in Verkaufs Verhandlungen, jedoch würde man es nur ohne Mieter kaufen wollen, um es dann leerstehend zu renovieren und in Eigentums Wohnungen zu verwandeln. Leer würde er sofort eine halbe Million dafür bekommen! … Aber daran wäre nicht zu denken, weil die meisten Mieter schon länger als zehn Jahre hier wohnen und somit – nach hiesigem Gesetz – lebenslanges Wohnrecht genießen.

„Na! Wenn das so ist dann lass uns morgen mal das Material und einige Werkzeuge holen.“
Was leichter gesagt, als getan war!
In seinem Spanisch-Lehrbuch wurden technische Ausdrücke nicht berührt. Und so schaute ihn der Verkäufer in der Ferretería mit großen Augen staunend an.
Der arme Junge, der ihn ins Lager ließ, musste später die Suppe auslöffeln.
Denn während er das benötigte aus dem Lager auf die Theke, sah Werner, wie zwei Leute – immer wieder zu ihm schauend – lebhaft diskutierten.
Stunden später, als auch die letzten, aus Jugoslawien importierten Kupferrohre notiert waren, sprach ihn noch der Chef an und gab ihm zu verstehen, dass er im Lager nichts zu suchen hätte! Das gäbe es in Deutschland auch nicht, das wüsste er.
Werner sollte gefälligst die Sprache lernen, wenn er hier arbeiten will, sich anpassen …
Nichts lieber als das, und es ist doch völlig normal, dass man die Sprache seines Paradieses spricht; aber ein paar Wochen sollte er ihm doch Zeit lassen …

Viertes Kapitel
Nach zwei Wochen konnte man die ersten Früchte seiner Arbeit bewundern!
Das erfreute den knausrigen Alfred so sehr, dass er Werner eines Abends einlud, um ihm die gängigsten Touristen- und Insider-lokale vorzustellen. Das wunderte Werner aber sehr; war Alfred doch so sehr knauserig, dass er ihm zutraute, sein eigenes Bier mitzunehmen.
Zuerst führte er ihn in die “Bar Salud“ – Insider Kneipe Nummer eins! Selbstverständlich fuhren sie mit dem Passat, obwohl die Spelunke bloß fünf Minuten zu Fuß entfernt lag.

Im letzten dunkelsten Winkel eines kleinen Geschäftszentrums gelegen, erinnerte ihn die Kaschemme an eine Hamburger Hafenkneipe.
Um uns Einlass zu gewähren, mussten sich zwei Gäste von ihren Hockern erheben, da die Tür nach innen – direkt gegen das Kopfende einer den halben Raum einnehmenden Bar – öffnete.
Durch das mit alten Fischernetzen verhangene einzige Fenster fiel der Schein der Laterne, die den in unmittelbarer Nähe der Tür stehenden Müllcontainer des Zentrums beleuchtete.
Den Rest des Raumangebotes teilte sich ein Tisch mit den zwei vor die Wand gebauten, winzigen Toiletten. Am Ende der zehn Hocker langen Theke befand sich auch noch die 1 mal 1 m große Kochnische, in welcher der Wirt – wie Alfred versicherte – die leckersten Speisen zu zaubern verstand.
Werner wusste nicht so recht, wie er sich verhalten sollte.
Das Publikum in diesem Laden war nicht nach seinem Geschmack. Außerdem mochte er diese Art Säuferkneipen nicht, ganz abgesehen von seinen schlechten Erfahrungen.

Alfred wurde dann auch lautstark vom Wirt Lothar begrüßt: „Na, Alter, auch mal wieder im Lande? Schön dass'e dich mal wieder sehen lässt … was macht dein Tempel? Wie lange bleibst’e? … heute gab es Kohlrouladen mit Kartoffeln – hab da noch e’n paar über! Auch Currywurst mit Pommes! Oder Frikadellen mit Kartoffelsalat! … Ja und wen hast du denn da bei dir.“
Ach, das ist mein Klempner. Den hab ich einfliegen lassen, diesen verrückten Kerl; damit er hier jede Menge Rohre verstecken kann.“
„Und, Alfred, taugt der was?“
„Das kann man wohl sagen; und nicht nur als Handwerker.“
„Was nehmt ihr denn für ’n Schluck? Pils?“
„Ne, Lothar, für mich nicht, hast’ e vielleicht Malzbier?“
„Na klar doch! Lothar hat alles.“
Neben König-Pils vom Fass und Hannen-Alt gab es auch Vitamalz. Das konnte Werner jetzt ’brauchen.
Werners Ohren waren länger geworden, als Lothar was von Currywurst und Frikadellen mit Kartoffelsalat erzählte. Das gab es lange nicht mehr. Und schon alleine davon zu hören, machte ihm Appetit!
„Also, Lothar, hau mir von jedem etwas in die Pfanne; tu am besten auch noch ’ ne Kohlrolle dazu.“
„Was, alles auf einen Teller?“
„Sicher, kommt doch alles in einen Magen.“
Das Essen, welches Lothar zwischen seinen Pils-Zapf-Ritualen zauberte, überraschte wirklich – nicht nur mit seiner Qualität, sondern auch mit dem Preis, den Werner aus Neugierde abfragte.
Der war der gleiche, den er aus Deutschland in Erinnerung hatte; nur dass man hier doppelt so viel dafür bekam.
Also, Verhungern würde Werner hier im Schlaraffenland sicher nicht!

Während Werner sich an der Theke mit Heißhunger auf seine Spezialitäten stürzte, machte sich Alfred über die neben ihm sitzende blonde, schlanke, circa Vierzigjährige – die Werner bisher noch gar nicht richtig wahrgenommen hatte – her.
Mit ihren struppigen, gelockten Haaren, den schwarzen Lackschuhen, der einfachen Jeanshose und dazu die echte Nerzjacke, war sie schon ungefähr ein Gisela Typ.
Darauf sprang der Alfred also an!
Er gab Werner zu verstehen, dass er sie anbaggern wollte.

Er hörte dann, dass er ihr von unserer gemeinsamen Marokko-Reise erzählte – was Werner für ein verrückter Kerl wäre, der nicht tot und Teufel fürchtete und von dem die Mädels nicht genug bekommen konnten; dass er gleich mit Zweien die Nacht im Wohnmobil verbrachte und die Hühner am nächsten Morgen, wohl vom vielen Sperma, ganz glasige Augen hatten; und das er trotz aller Unvorsichtigkeit sich noch nicht mal einen Schnupfen weggeholt hätte.
Zwischendurch blickte sie hinter Alfreds Rücken einige Male zu Werner, wohl um zu sehen, wer dieser verrückte Typ war.
Der dachte sich: ‚Mensch‚ Alter! So kann man doch keine Frau anbaggern; der so’n versautes Zeug zu erzählen, da bekommt die doch Angst!
Doch schien es nicht so zu sein; denn sie willigte gleich ein, als Alfred auf die Idee kam, dass sie doch zu einem Tanzlokal mit Live-Musik fahren könnten. Einer von seinen Mietern hätte im alten Teil des Dorfes eine kleine Live-Musik-Bar; da wäre manchmal was los.

An diesem Abend jedoch nicht!
In dem kleinen Lokal, vielleicht viermal so groß wie die ”Bar Salud“, befand sich außer dem
Wirt und zugleich Kellner – namens Jordi – nur noch ein alter Musiker, der so falsch sang, wie seine verstimmte Gitarre spielte. Gäste würde der bestimmt nicht anlocken, besten falls welche vertreiben.
Alfred nutzte die Gelegenheit, um Werner vorzustellen.
„Das ist der gute, der für fließend Wasser und freie Abflüsse sorgen wird, damit ihr schnell wieder Miete zahlen könnt.“
„Ja, ja“, meinte Jordi, „Alfredo große Schlitzohr!“
Um nicht unhöflich zu erscheinen, setzten sie sich auf die rustikalen, aber bequemen Holzbänke um etwas zu trinken.
Während Gerti und Alfred bei einem Bier weiter laberten, schaute sich Werner beim Genuss eines süßen Martini im Lokal um, nicht ahnend, das es in einem Jahr seines sein wird, mit Jordi als Superkellner und zu den Best laufenden der Insel gehören wird.
Es war eigentlich ein sehr hübsches Lokal, aufgemacht wie ein Kellergewölbe, dekoriert mit alten Eimern und Gießkannen. Die einfachen Wandleuchtern passten zu der Ziegelsteintapete und den sich an der Decke befindlichen, zu dekorativen Kullern geformten Zementtüten.
Links im Hintergrund befand sich die 2 x 4 Meter große, L- förmige Bar, die mit einem strohgedeckten Dach dekoriert war; dahinter ein Lagerraum und auf der rechten Seite die Toiletten.
An den Wänden standen Bänke mit Tischen für vier, sechs und acht Personen. Insgesamt ein Platzangebot für circa sechzig Leute, dazu noch zwanzig stehend an der Bar, bei guter Stimmung auch mehr
Mensch! Hier war Platz für hundert Mann, wenn mal bloß was los wäre!
Werner setzte sich zu Jordi an die Bar und versuchte, mit ihm zu reden.
Au, Mann! Das ging besser als er dachte.
Dieses nicht gerade hübsche Männlein konnte sich doch wahrhaftig verständlich ausdrücken. Das lag wohl daran, dass er sein Leben lang mit Touristen zu tun hatte und sich auf sie einstellte. Der sprach so mit Werner, wie er es mit einem Kind oder Türken gemacht hätte.
Und wenn er doch etwas nicht verstand, dann suchte Jordi so lange nach einem anderen Wort, bis bei Werner der Groschen fiel.
Das hätte er niemals von diesem kleinen, untersetzten, hundegesichtigen, jedoch wahnsinnig sympathischen Männlein erwartet. Mit dem konnte er sich ja schon richtig auf Spanisch unterhalten!
Bis Alfred sich meldete, dass sie weiter wollten – dorthin, woher die schöne Tanzmusik klang.
Dann sollten sie schon mal gehen, meinte Werner.
„Nein, Gerti besteht darauf, dass du mitkommst.“
Aha, also hatte sie jetzt doch Angst bekommen.
Als Werner bezahlen wollte, meinte Jordi: „No, alles free, gratis, unzonzt.“


Fünftes Kapitel

Diese schöne Musik, wie Alfred das “La Cucaracha“- Gedudel nannte, kam nur einen Steinwurf entfernt aus einem Kellerlokal, in das eine steile, gefährliche Treppe ohne Handlauf hinunter führte.
Dort unten sah es so aus wie in einem Bierzelt; waren aus Latten gefertigte, lange, ungemütliche Bänke und Tische mitten in den großen hellen Raum gestellt worden.
Und genau dort konnte Alfred mit Gerti ein mal das Tanzbein schwingen.
Dabei blieb es dann auch! Alfreds Zeit war abgelaufen; hatte Gerti doch inzwischen ein paar Bierchen getrunken, welche sie mutig werden ließ.
Das Frauchen war, auch bei Licht betrachtet, ganz niedlich, müsste nur um einiges jünger sein …

Weiter kam Werner nicht mit seinen Träumereien, als er von Gerti mit den Worten „Ich muss es jetzt einfach tun!“ umschlungen und mit einer zärtlich fordernden Leidenschaft geküsst wurde, dass ihm Hören und Sehen verging.
Ihm blieb einfach keine andere Wahl, als den Kuss zu erwidern – schon aus dem Grund, weil küssen einer seiner großen Leidenschaften war und sich nicht oft ein Lippenpaar mit einer weichen, zärtlichen Zunge im Zentrum ihm einfach so “an den Hals schmiss.“
Als Sie nach einer Weile von ihm abließ, sagte sie, das der Kuss alle ihre Erwartungen in den Schatten gestellt hätte und dass sie gerne mehr davon haben würde, stundenlang.

Alfred kam aus dem Staunen nicht mehr heraus; seine “Beute“ schmiss sich Werner an den Hals!
Und sie hätte sich schon gleich in der “Bar Salud“ in ihn verliebt. Nach dem zu urteilen, was ihr Alfred erzählt hatte, wäre er wohl sehr lieb zu Frauen. Und wenn er alles so zärtlich mache, wie er küsse, dann wäre sie schon bereit, die Liebe neu kennen zu lernen.
Was denn nun? Was hat Werner falsch gemacht?
Oder war das eine Prüfung?

Alfred ließ sie bald alleine, fuhr ziemlich enttäuscht nach Hause.
Die beiden schlenderten dann Arm in Arm zurück. Es war ja nicht weit bis zu Gertis Unterkunft.
Das Frauchen war nur ein bisschen kleiner als Werner und lag wie eine Feder in seinem Arm. Ob es wohl daran lag, dass sie so schlank war, oder mehr an der weichen Nerzjacke.
Natürlich küssten sie sich unter jeder Laterne.
Da Gerti ja schon vom Alfred viel über ihn erfahren hatte, war sie nun an der Reihe, von sich zu erzählen.
Sie machte den Eindruck einer fest im Leben stehenden, ernsten Geschäftsfrau. Ihre Umgangsformen und Ausdrucksweise entsprachen denen einer vornehmen Dame.
Was konnte also ein weibliches Wesen dazu veranlassen, sich einem völlig unbekannten Mann an den Hals zu schmeißen?
Weiblicher Instinkt? Gespür ? Abenteuerlust? Oder ganz einfach fehlende Nestwärme?
Oder von jedem etwas?
Auf jeden Fall hatte sie gespürt, dass wenn sie nicht die Initiative ergriffen hätte, zwischen ihnen nichts gelaufen wäre.
Sie war gerade drei Tage auf der Insel ihrer Träume, auf der sie schon seit Jahren ihren Urlaub verbringt und würde am liebsten dableiben; für immer hier leben – in einem großzügig angelegten Haus mit Palmengarten, irgendwo in den schwarzen, die Insel formenden Asche und Lavaformationen.
Endlich gelangten sie dort an, wo sie – wie auch schon in den Jahren zuvor – Quartier bezogen hatte. Dem ersten Eindruck nach zu urteilen, handelte es sich um eine Apartment- und Bungalowanlage für gehobene Ansprüche.
Na ja, Arm konnte Gerti nicht sein; das war schon an der Nerzjacke zu erkennen (für das man auch der Typ sein musste, um so was tragen zu können). Ganz abgesehen von dem edlen Schmuck, mit dem sie behangen war.
Auch das Personal an der Rezeption behandelte sie mit hervorragendem Respekt.
Wer war sie bloß?
Ach, ist doch egal? Jetzt gehen sie erst einmal auf ihre Bude und bauen die Spannung der Samenleiter ab, die Gerti ihm durch die Knutscherei erzeugt hatte.
Dachte Werner! Wäre doch auch das normalste von der Welt gewesen; hätte jeder angenommen!
Doch sie wollte sich noch mit Werner auf die vor ihrem Apartment, in einer geschützten Mauernische stehende Bank setzen und schmusen.
Na gut! Warum nicht ein schönes, langes Vorspiel genießen?
War es doch sehr romantisch und bequem auf der gemauerten Bank mit Schaumstoff Auflagen.

So verging die Zeit; sie genoss es, von ihm gestreichelt und liebkost zu werden, und Werner war angenehm überrascht von jugendlich-straffen Formen ihres – für Werners Geschmack viel zu alten – Körpers. Doch es gab immer wieder Ausnahmen, von denen Gerti eine sehr begehrenswerte war.

Als modernes Frauchen trug sie natürlich keinen BH, sodass die beiden streichelweichen Nerzbabys sich ohne große Umstände in Werners Hände kuschelten.
„Komm“, sagte Werner, „lass uns endlich hineingehen.“
Doch sie sagte „Nein.“
Werner glaubte sich verhört zu haben, sagte sie „Fein.“?
Nein, sie wolle nicht und machte den Laden zu.
Ja, aber, wo waren sie denn?
Ja, also, sie wäre noch nicht so weit.
Waaas? Nach stundenlangen Zärtlichkeiten nicht so weit?
Das war aber jetzt zu viel!!!

So etwas war Werner noch nicht untergekommen!
Wenn das ihre Masche war, sich an den Männern zu rächen, hätte sie doch besser den Alfred genommen. Was hatte Werner ihr angetan? Wollte sie doch gar nicht kennenlernen!
Wütend und enttäuscht machte er sich – jedoch nicht ohne ihr verständlich mitgeteilt zu haben, sie nicht Wiedersehen zu wollen – auf den Heimweg.
Mann! Wenn das der Alfred erfährt, dann dauert es nicht lange, bis die Meute in der “Bar Salud“ sich über ihn lustig macht.
Unter Schmerzen leidend, kam er ins Bett; war es doch schon weit nach Mitternacht. Ihm war selbst die Lust vergangen, sich einen runter zu holen.
So was aber auch, wie ein Gott geschmust und nur die Eier verbogen. Das passiert ihm auch nur einmal!
Er wollte dann seine Wut morgen früh bei der Arbeit auslassen, ein paar Rohre mehr verstecken …

Sextes Kapitel

Natürlich waren diejenigen, die nachts arbeiteten und tagsüber schliefen, gar nicht so sehr von seiner Tätigkeit in “La Tegala“, wie der Tempel hieß, begeistert.
Nur Jordi, der in dem äußeren unteren Apartment hauste, war immer sehr freundlich zu Werner. Und jetzt, da er ihn kennengelernt hatte, wurde er zutraulich.
Er machte auch keinen Hehl daraus, das er zusammen mit einer alten Schäferhündin namens Linda (auch das noch), einem schiefzahnigen, kleinem Straßenköter und seinem Moped, eine Honda-Dachs, wie ein Schwein dort hauste und mit den Kötern in einem Bett schlief. Diesen Umständen entsprechend lag der Hundekot, mit dem aus dem Moped tropfenden Benzin und Öl und alten Knochen vermischt, im Zimmer herum.
Aber das wollte er sauber machen, wenn Werner bei ihm zu arbeiten anfange.

Ja, Mann, als Klempner durfte man nicht zimperlich sein!
Und schon gar nicht, wenn es darum ging, in Deutschland in einer Türkensiedlung Aufträge auszuführen – so wie in der Zeit als Kundendienst Monteur, als er verstopfte Toiletten von allerlei Kleinkram wie Spielzeug, Garnrollen, Flachmänner usw. befreien musste. Halt alles solche Dinge, die nicht durch den Siphon passten oder sich dort verklemmten.

Da kam als einziges Werkzeug nur die eigene Hand oder die kleinere seines türkischen Lehrlings Yüksel, den Werner manchmal mit bekam, in Frage; der sie sich aber eher abhacken lassen wollte, als damit bei seinen Landsleuten ins Klo zu fassen.
Wozu brauchte er da einen Lehrling, wenn er alles selber machen musste?
Er nahm dann auch keinen mehr mit; sollten die Leute ihre Kinder doch selber erziehen!
Alleine arbeitend konnte sich Werner besser konzentrieren, mögliche Fehler weitgehendst ausschließen und sich seine Arbeitszeit und Pausen selber einteilen.
So wie hier auf seiner Auslandsbaustelle, auf der er jetzt seine Pause zusammen mit Jordi als Spanischlehrer verbrachte.
In die Bücher guckte er schon seit einigen Tagen nicht mehr hinein; erschien es ihm doch alles viel zu kompliziert. Viel einfacher und auch noch unterhaltsamer war es, die Sprache direkt aus erster Quelle gelehrt zu bekommen.
So empfand er es, als er zwischen Kakteen und Müllbeuteln mit Jordi auf dessen Terrasse saß – als ihn, nichts ahnend, der Tiefschlag traf!
Kam doch wahrhaftig die Flotte Gerti daher; sie wollte sich entschuldigen und müsse mit ihm reden.
Das hatte ihm noch gefehlt; da sie doch so eine schmerzhafte Art hatte, sich auszudrücken!
Außerdem musste er jetzt wieder an die Arbeit, seinen Lebensunterhalt verdienen.
Er ließ sie – ungeahnt der Folgen – abblitzen.
Doch sie hatte Blut geleckt und wollte nun auch den Braten verschlingen.

Nach diesem arbeitsreichen Tag, einer warmen Dusche und einem kalten Abendessen machte sich Werner ausnahmsweise schon um 7 Uhr zum Schlafen bereit, um sich von der vergeudeten Nacht mit Gerti zu erholen – als es an der Haustür klingelte.
Das konnte eigentlich nur Alfred sein; wusste doch sonst niemand, wo er wohnte. Bestimmt war er neugierig und wollte wissen, was mit Gerti und Werner letzte Nacht noch gelaufen war.

Aber da stand Gerti vor der Tür, mit ihrem geöffneten Nerz Jäckchen und nichts weiter darunter.
Auch hätte sie kein Unterhöschen an, weil es ihr noch so heiß wäre von letzter Nacht.
Sie müsste unbedingt mit ihm reden, wollte ihr fieses Verhalten erklären und ihn dazu einladen, mit ihr auszugehen – wohin er wolle, sie bezahle alles.
Nicht jeden Tag bekam er solch ein Angebot, schon gar nicht von einem – durch die geöffnete Jacke und Hose verdammt erotisch wirkenden – Weibchen.
Da konnte Werner nicht nein sagen. Es wäre auch gar nicht nötig, noch großartig auszugehen;
war er doch schon bereit, ihr gleich hier etwas zu servieren.
Doch sie bestand darauf, erst mit ihm zu reden, ihr Herz auszuschütten.

Dann, in einem gemütlichen, ruhigen Lokal, bei einem Martini und Kaffee, erzählte sie ihm endlich, was ihr seit Jahren das Leben versauerte:
Das sie als Frau eines Oberforstrates, der auch noch gehbehindert war, nichts zu lachen hätte, weil er sehr brutal wäre, besonders was das Schmusen angeht, eben ohne Vorspiel und Zärtlichkeiten. Da hat sie dann aus Verzweiflung und um nicht nur das Sexobjekt dieses Monsters zu sein, ihre Dose zugemacht. Seitdem lebte sie unter Spannung, jedoch ohne Strom.
Auch wohnte sie gar nicht weit entfernt von Werners letztem Wohnsitz in Deutschland. Wesel, so nannte sich das Dörfchen, in dem sie die in einem Wäldchen gelegene Villa zusammen mit dem Oberforstrat, einer Hausangestellten und ihren zwei Kindern bewohnte. Dort hatte sie auch ihre Nerzfarm, die sie zusammen mit einigen Angestellten bewirtschaftete.
Aha, aha, aha! Also war sie so etwas wie die unverstandene, misshandelte, unbefriedigte, millionenschwere Ehefrau, die außerdem beinahe noch seine Nachbarin war.
Und als sie Werner in der “Bar Salud“ sah, da spürte sie, dass er ihr Märchenprinz war, vor dem sie keine Angst zu haben braucht. Und genau das bestätigte Werner ihr ja noch am selben Abend, vor dem Apartment, in dem sich doch ihre beiden Töchter befanden und sie ihn aus diesem Grunde nicht mit hinein nehmen konnte. Denn wenn die kleinen etwas davon mitbekommen würden, wüsste es natürlich auch ganz schnell ihr Vater. Und das wäre ein Grund für sie, schnellstens dort auszuziehen, bevor der noch mit der Schrotflinte auf sie losgeht.

Doch alles, alles wäre ihr egal, wenn er sie nur mögen würde und mit ihr schmusen wolle.
Wie verzweifelt musste ein Mensch sein, um so zu handeln?
Werner hatte ja auch so seine Erfahrung damit!
Sie wollte jetzt mit ihm gehen, damit er sie nackt auszieht und sie mit dem ganzen Körper seine Männlichkeit spüren kann.
Das brauchte sie nicht zweimal zu sagen. – Zahlen bitte!
Als sie bei ihm ankamen, bekam er kaum den Schlüssel los Loch.
Das war wohl mehr vor Geilheit und freudiger Erwartung; konnte er Gerti nun endlich zeigen, was er für ein guter Klempner war, dass er mit Kolben und Rohr gut umgehen konnte.

Morgens um 3 Uhr schreckte Gerti plötzlich auf und teilte besorgt mit, dass sie nun unbedingt in ihr Apartment zurück müsse, bevor die Kinder aufwachen.
Während sie sich im Bad zurechtmachte teilte sie ihm mit, dass er sie morgen nach seiner Arbeit doch eigentlich in der Anlage, wo sie wohnte, abholen könnte. Bei dieser Gelegenheit wollte sie ihn den Kindern vorstellen und sie könnten alle zusammen etwas unternehmen.
Denn nun, nach dieser Nacht sollte ihr Alter Förster vom Silberwald doch ruhig wissen, dass sie in Werner verliebt ist.
Sie hauchte: „Liebst du mich denn auch?“
„ Ja, wenn du das nicht gespürt hast …!“
Doch, ja, sie war ein begehrenswertes Frauchen, gab Werner alles was er brauchte … das Gefühl von Geborgenheit, beim Schmusen mit dem anderen zu verschmelzen.
Das empfand er nur, wenn ein begehrenswertes weiblicher Körper zeigte, dass er auf Werners Zärtlichkeiten reagierte und er bei der Vereinigung diese unkontrollierbaren inneren Zuckungen und Strömungen spürte.
„Ach, wenn Gerti doch bloß noch neben mir läge; gern würde ich ihr noch einmal zeigen wie gern ich sie mag …“
Mit diesem und ähnlichem Gedankengut gelang es Werner, noch einmal in den Schlaf zu finden – bis er um sieben aus dem feuchten Bett musste.
Er fühlte sich sehr gut, was wohl auf diese romantische, verschwitzte Nacht zurückzuführen war. Aber er wollte heute etwas eher die Arbeit niederlegen, um mehr Zeit für seine neue Liebe zu haben.

Da mochte Alfred aber gar nichts von wissen, als Werner ihm das noch vor dem Frühstück, vom Balkon herunter rufend, mitteilte.
Er hätte es schließlich eilig, weil die erst Miete zahlen, wenn die jeweiligen Wohnung renoviert wären.
„Und außerdem wolltest du jeden Tag zehn Stunden machen und Nachts schlafen, anstatt das Schlafzimmer zu renovieren!“ „Wir haben die ganze Nacht kein Auge zu bekommen bei dieser Rammelei!“ „Und ausgerechnet ich hab auch noch dafür gesorgt, dass du Gerti kennenlernst!“

Später, beim Mittagessen, erzählte Werner ihnen die Story, und dass er gleich los wollte, um seine neue Familie kennen zu lernen.
Die beiden kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus! Sie dachten wohl: Dieser Verrückte! Lässt seine Frau und Kind einfach in Stich, haut ab bei Nacht und Nebel, um sich vier Wochen später wieder eine Familie aufzuhalsen.
Aber so weit war es ja noch nicht! Werner wollte erst einmal abwarten was auf ihn zukam …
Eines war sicherlich wahr – dass er einem lieben, zärtlichen weiblichen Wesen nun mal nichts abschlagen konnte. Wer ihn zu nehmen wusste dem würde er immer zur Seite und auch stramm-stehen.

Auf dem Weg zu ihr überkam ihn die Unsicherheit.
Was, wenn ihre Kinder zwei bösartige, freche Gören sind? Oder sie nicht wollen, das ihre Mama mit einem anderen Mann turtelt?
Mit gemischten Gefühlen gelangte er an ihrem Apartment an, welches jedoch verschlossen war. An der Rezeption berichtete man ihm strahlend, das Frau Gerti ihn so früh nicht erwartet hätte und sie sich mit den Kindern am Pool aufhalte.
Gerne führten sie ihn zum Pool, wo ihm Gerti auch gleich durch ihre blonde Löwenmähne zwischen all den Leuten auffiel.

Sie lag bäuchlings auf dem Liegestuhl und hatte die Träger des Oberteils abgestreift.
Werner trat an sie heran und streichelte ihre Lenden. Als sie sich aufrichtete, ließ sie sich von ihm helfen, wobei es nicht ausblieb, das er sich manuell, vom guten Sitz der Stoffdreiecke überzeugen musste; was einige Badegäste mit einem Schmunzeln zur Kenntnis nahmen.
Welches sich noch verstärkte, als sie den Begrüßungskuss nach endlosen Minuten beendeten – so als wollten sie ausdrücken: Ach, ist das schön romantisch, wenn man seine neue, große Liebe kennen lernt. Und auch gleich noch zwei neue Kinder dazu!
Und die überraschten Werner sehr angenehm. Kamen doch zwei sehr hübsche, quirlige Mädchen mit langen, hellblonden Haaren auf Werner zugestürzt, kurz nachdem er die Begrüßung von Mama beendete. Katrin und Silvia hießen die beiden Engel von acht und zehn Jahren. Werner kam es vor, als hätten sie ihn sehnsüchtiger erwartet als ihre Mama.
Sicher hatte Gerti von ihm erzählt. Dabei fühlten sie, dass ihre Mama seit langem nicht mehr so glücklich war. Und so wichen sie nicht mehr von Werners Seite; Werner hinten, Werner vorne.
Auch musste er mit ihnen spielen – alles das, was Kindern in dem Alter Spaß macht; musste sie huckepack nehmen oder fangen, eben alles was ihr Vater niemals mit ihnen gemacht hat.
Der hatte neben seinem Forstrat Posten keine Zeit für sie übrig, wie sie ihm traurig gestanden.

Abends gingen sie dann alle zusammen – wie eine richtige Familie – durch das Dorf spazieren. Die beiden ließen nicht von Werner ab, fragten ihn aus über seine Reisen nach Afrika, seine Flucht aus Deutschland und wollte auch wissen, wie sehr er ihre Mami mochte.
Werner wusste nicht, wie ihm geschah; doch konnte er – dank Gertis mütterlicher Großzügigkeit – allen dreien gerecht werden.

Später dann, in ihrem Apartment, musste er die kleinen baden, abtrocknen, eincremen und mit ihnen im geräumigen Bett toben. Die beiden Püppchen wollten aber noch nicht schlafen, sondern von Werner gekitzelt, gekrabbelt und gestreichelt werden. Das Baden hatte ihnen wohl sehr gefallen. Dass auch ein Mann so feinfühlig sein kann, hatten sie wohl noch nicht erfahren dürfen. Als Gerti dazukam, tobten sie zu viert herum.

Als die Kids endlich schliefen, mochte Gerti auch noch von Werner gebadet werden.
Es war schon ein krasser Unterschied!

so ein Leben könnte ihm gefallen! Nur müsste er die lästige Arbeit loswerden, um mehr Energie für Gerti und ihre kleinen zu bewahren.
Aber daran war im Moment nicht zu Denken! Denn es hatte sich herumgesprochen, dass da ein guter Deutscher auf der Insel ist, der was taugte, der ganz alleine arbeiten konnte, ohne dass ihm einer sagte, was und wie er es machen muss …
und schon war die Zeit gekommen und seine lieben mussten zurück in die Kälte.
Beim Abschied sagte sie es noch einmal mit wehmütigem Ausdruck, dass sie so schnell wie möglich mit ihrem hab und gut sowie Kind und Kegel zu Werner auf die Insel kommen werde, auf dass wir in einem schönen, großen Haus, das sie kaufen werde, zusammen ein neues Leben beginnen …

Sie kam wirklich mit all ihren Juwelen den Kids und einer Menge Bargeld ein paar Monate später, hatte auch ein Telegramm an Werner geschickt – das er aber nicht erhalten hatte, weil er gerade mit Rolf, einem jonglierenden Einradfahrer und dessen Wohnmobil auf der Fähre nach Deutschland war, um still und heimlich sein geliebtes Wohnmobil zu holen. Und er rief bei Gerti zuhause an, die Haushälterin war ganz baff, das Werner in Gelsenkirchen war.
„Ja, aber, Gerti ist doch bei Ihnen auf Lanzarote!“

Und dann überschlugen sich die Ereignisse …

könnte weitergehen !?
" Suche das Glück nicht am gleichen Ort, wo du es verloren hast."
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