Gästezimmer in Costa Rica

Costa Rica - beim zweiten Mal tut's nicht mehr so weh!

Lesenswertes rund um das Thema Costa Rica

Costa Rica - beim zweiten Mal tut's nicht mehr so weh!

von A-lemann » Mi Dez 16, 2015 7:41 am

Ein fröhliches hallo vom alten Werner,
und erst einmal ein Wort zum Sonntag: also ich Schreib das nicht um mich selbst zu verwirklichen oder ins Licht zu rücken oder gar beifall zu erheischen. Sagen wir mal,
im Laufe meines verlebten Lebens hab ich genug davon gesammelt und kann mir bis heute nichts davon kaufen. Als passionierter, vielbeschäftigter Handwerker blieb mir keine Zeit um irgendetwas zu notieren, außer - als ich mit achtunddreißig, 1987, nach einem schweren Schicksalsschlag Teuschland endlich den Rücken kehren konnte
um auf Lanzarote neu und unverbraucht wieder einmal von vorn anzufangen.
Da musste ich wohl oder übel, Materiallisten für meine, wie es mir vorkam, nur auf mich wartenden "Kunden" erstellen und ein Auftragsbuch führen um nicht den Durchblick zu verlieren.
Zu diesem Thema, mit dem Titel "Mensch, Werner" in Kürze

Also, ich habe im Leben nicht daran gedacht, jemals zu schreiben, geschweige dann,
ellenlange Aufsätze.
Aber wie das Leben so spielt, besonders meins, legte es mir zwei Leutchen in den Weg oder besser gesagt auf die Sitzplätze neben mir ln der Condor, als ich vom achzigsten Geburtstag meines Vaters 1998 zurück nach CR flog. Heiko und Gisela, Weltumsegler aus Norddeutschland auf dem Weg zu ihrer Tochter nach Alajuela, die
mit einem Kaffeebaron verheiratet war. (ist?)
Die dann ein paar Wochen später plötzlich vor unserem,von Maracuya umrankten
Gartentor standen.
Daraus wurde eine innige Freundschaft und diese beiden, die uns alle sechs Monate besuchten, für die ich im Auftrag ein Grundstück neben dem meinen kaufte, ein Haus auf Stelzen baute und deren Tochter sich "ticomäßig" um die Finanziellen Abläufe kümmerte, gaben den Anstoß zu meinem schriftstellerischen Dasein, mit den Worten:
das musst du unbedingt zu Papier bringen, so ein Leben voller Abenteuer, wovon viele träumen ...
Hätte mir nicht träumen lassen dass sowas von sowas kommt ...
Obwohl - Isabella Soluna, wohl eine gute Hexe, die sich mir auf Fuerteventura offenbarte und mich spüren und erleben ließ, dass warhaftig eine Zwischenwelt existiert.( und glaubt mir, ich war wohl der letzte der an Hokuspokus glaubte, bis mich diese Frau, ein stattliches Wesen deutscher Abstimmung mit fettigen "Schwimmreifen," angeblich wohnhaft auf Teneriffa, von der Existenz merkwürdiger Empfindungen überzeugen konnte.)
Hallo, und wenn ich's nicht am eigenen Leib erfahren hätte wäre ich wohl bis heute
der Meinung - ist doch alles Humbug!( dazu die Geschichte, in Arbeit)
Aber nun erstmal zurück nach Ticolandia.
Diese niemals endend erscheinende Geschichte vom Werner, der auszog das Fürchten zu lehren, ist auf Grund der sich täglich ereignenden, unvorhersehbaren Geschehnisse in höchstem Maße wirklichkeitstreu und wurde von MIR so, wie zur Zeit
des Handelns im wahrsten Sinne der Bedeutung "wiederempfunden."
So weit erst mal. Mit Gewalt lässt sich einiges regeln, aber um zu schreiben braucht es Passion und die kommt und geht ...
Heute, am 16. Dez. 2015, nachdem ich am ersten Mai diesen Jahres all meine unnötigen Verpflichtungen über den Haufen geschmissen habe, lebe ich um zu leben.

Und ob ich nun gerade in Malaga, Algeciras, in Pulpi im "Campo Monica", in Valencia, Alzira, Barxeta, Xativa, oder auf dem Mond von Wanne Eikel bin, dürfte keine Rolle spielen. Aber - zum besseren Verständnis meiner Wenigkeit möchte ich hier auf meinen Thread im Spanienforum hinweisen
http://www.spanienforum.de/als-rentner- ... 15682.html

Das von mir zur jeweiligen Geschichte empfundene spiegelt NUR MEINE EMPFINDUNGEN und nur meine Erfahrungen mit den zur damaligen Zeit der Handlung herrschenden Umständen wieder und ist keine representative Darstellung irgendeiner Rasse, Religion, Politischer afición noch physischer Beschaffenheit.
Ach, noch was, Udo Jürgens "mit 66 Jahren" wie der mir aus der Seele sprach.
Ich hoffe euch nicht zu langweilen, wenngleich ich sie habe.
LG Werner, das seltene Exemplar

im Goldrausch der Verzweiflung

1.Kapitel

Natürlich ist es laut Gesetz seit Jahren verboten, die baufälligen, unendlichen Tunnel der um 1900 gegründeten Goldminen im Kanton Abangares der Provinz Guanacaste zu betreten und mineralhaltiges Material abzubauen, doch in dem kleinen Dorf "las Juntas",im Norden Costa Ricas,war diese Nachricht noch nicht angekommen.Und wenn sie jemals ankäme würde sie ignoriert werden.
Denn seit die Minen existieren lebten ein großer Teil der ca. 9.000 Einwohner vom Lohn ihrer Beschäftigung bei der Minengesellschaft und einem Nebenverdienst der daraus bestand, aus den Minen geschmuggeltes, hochgoldhaltiges Material in kleinen Steinmulden in Bachläufen mit einer Art Mörser unter Zugabe von Wasser und Quecksilber zu mahlen.
Jedoch um 1980 wurde auch für die letzte von vier Gesellschaften die Produktion, obwohl basierend auf einer Verarbeitung mit Zyankali, unrentabel, so das sie unter zurücklassen der ohnehin verbrauchten Anlage das weite suchten.

"Und seitdem lebt ein ganzes Dorf vom "Goldsuchen" und in jedem Hinterhof befindet sich ein Schacht zu einer Goldader."
So jedenfalls stand es im Jahr 2005 in "la Nacion," eine der führenden Tageszeitungen in Costa Rica.
Das war es...Gold, einfach so im Garten...verboten - jedoch geduldet, da würde EINER mehr doch nicht auffallen!

Das las Werner, der erst vor kurzem, nach achtmonatiger U- Haft aus dem Knast
"La Reforma" entlassen wurde und für sich und seine kleine Familie dringend eine neue Existenzgrundlage benötigte.
Eben dieser "Knast" konnte Werner auch nicht klein kriegen, im Gegenteil, nach einem Freispruch in der dreitägigen Verhandlung gegen den, laut Television und Pressemedien "größten Drogenhändler und Cracker des Landes" und der für schuldig der Korruption erklärten Polizei, des eigentlich idyllischen Dörfchens mit Namens Puriscal wurde Werner unter Bereinigung seiner ihm vorgeworfenen Untaten aus der "Reforma" entlassen.
Er bekam es schriftlich in Form einer Urkunde, dass ihm alle, im Zuge der Ermittlungen konfiszierten Besitztümer wie Geld, Waffen und sein unverwüstlicher "Ford Bronco 2" unverzüglich auszuhändigen sind.
Aber seine Frau traute dem Frieden nicht.
"Die werden versuchen dich wieder aus dem Verkehr zu ziehen "selbst wenn sie dir einen vor's Auto stoßen müssen". Welche Gedanken garnicht mal so abwegig waren, hatte er doch ein paar Monate vor seiner spektakulären Festnahme mit seinem Jeep Cherokee einen Unfall mit Todesfolge.
Dessen Ermittlungsunterlagen, nachdem Werner sich nicht einschüchtern ließ und seine Ersatzansprüche gegenüber dem Opfer, dass ja den Unfall des nachts im Nebel, schwarz gekleidet auf der Mitte der rechten Fahrbahn sitzend provoziert hatte, geltend machen wollte, einfach nicht mehr existierten.


2.Kapitel

Nun ergab es sich, dass die Tochter die hier im Land geboren wurde, so langsam ins Schulalter gekommen war und man tatsächlich daran denken musste aus dem abgelegenen paradiesischen Flecken im Urwald zu immigrieren und eine, der Zivilisation näher gelegenen Schule zu finden, auch um die Strapazen eines Kilometerlangen Schulwegs und die damit verbundenen Gefahren, denen ein kleines blondes Mädchen dadurch ausgesetzt wäre, zu vermeiden.
Also entschloss man sich, das beste daraus zu machen und bot die 60m2 große Waldhütte mit Waschmaschine und Geschirrspüler zum Verkauf an.
Aber...der größte Teil der Wachmannschaft der Reforma wohnte in eben diesem Dorf Puriscal und so hatte es sich natürlich herumgesprochen warum Werner sein Häuschen verkaufen wollte, auch bei den "Gringos" wie die US- Amerikaner dort genannt wurden und von denen sehr viele hier lebten.
Die trauten dem Braten nicht, und weil es auch noch verhältnismäßig billig war und vielleicht von Drogen verseucht?
Aber sie mussten hier weg, je eher um so besser.

Als der Preis dann bei 15.000 $ gelandet war fand sich zu guter letzt doch noch ein Käufer.
Ein Trekking Tour Veranstalter, der temporäre Unterkünfte für die Teilnehmer brauchte.
Ohne zu Zögern und mit einem lachenden Auge überließen sie das sieben Jahre alte, von Werner selbst, aus dickem Bootssperrholz mit einem geschweißten Stahlrohr Rahmen und Mandelholz Fußboden gebautem erdbebensicheren Haus.
Aber ohne die Dollarscheine die Werner schon lange aus Sicherheitsgründen im blechernen Sicherungskasten hinter den Kabeln und der Wandverkleidung sicher "angelegt"hatte
Erdbebensicher ja, aber bestimmt nicht gefeit gegen Erdbewegungen die seit einigen Jahren in dieser Gegend, nach wochenlangen schweren Regenfällen zu beobachten waren und immer wieder in der Regenzeit verstärkt auftraten und sich sogar eine Verwerfung vor dem Haus über das Grundstück zog die manchmal zu einer Spalte wurde und in der sich eigentlich nicht sehr hässliche hellbraune große Ratten tummelten.
Der halbe Garten war so schon ein paar Meter "gewandert". Aber dass ging jetzt in der Ungepflegtheit unter.

Zwei Wochen "notwohnen" hatte Werner ausgehandelt in denen sie eine neue Bleibe finden, packen und den Umzug organisieren mussten und alles ohne Auto.

Das Geld, was der Staat Werner abgenommen hatte war nur ein paar hundert Dollar wert, also keine große Sache, aber die Waffen waren im Rauschgiftdezernat auf mysteriöse Weise verschwunden und na ja, wegen dem Auto, da müsse er sich mit dem Zoll in Verbindung setzen die haben den in Gewahrsam genommen und er steht dort in der Hauptstadt unter hundert anderen beschlagnahmten Fahrzeugen in einer gut gesicherten und ständig bewachten Halle.
Dann mal nix wie hin nach San José, mit Bus und Taxi.
Die Halle, welche in einem Industriegebiet, gleich neben der BIMBO Bäckerei lag machte tatsächlich einen soliden Eindruck.
Nachdem die beiden Wachleute die Papiere studiert hatten merkten sie, das tatsächlich der im ganzen Land bekannt gewordene Superdealer leibhaftig vor ihnen stand.
Aber beeindruckt waren die nicht und meinten "komm mal so in vier Stunden wieder, wir sind nur zu Zweit und müssen die halbe Halle umräumen um an den Bronco zu kommen.Hat ja keiner damit gerechnet das der jemals hier raus muss.
Da hatten die natürlich nicht mit jenem jungen Anwaltspärchen gerechnet, das Werner in den ersten Wochen im Knast auf Grund ihrer Erfolgsquote empfohlen wurde und die sich auf Ermittlungs und Verfahrensfehler spezialisiert hatten.
Doch im Fall Werner, El Aleman ähnelten die drei Verhandlungstage eher einer Karnevalssitzung.
Die drei Magistraten kamen mit Staunen und lachen nicht nach, über das, was einem Dorfsheriff a La Texas Ranger Walker, mit einer Schar dümmlicher, aus Zuckerrohrbauern gemachten Hilfssheriffs alles so einfällt um Unschuldige hinter Urwaldgitter zu befördern und sie dort so lange wie möglich zu beherbergen. Nur Werner war nicht zum Lachen zu mute und nach dem unmissverständlichen Freispruch, entgegen den Prognosen der einhundertsechzig mit ihm in der Einraum Zelle untergebrachten Betrüger,Vergewaltiger, Mörder und Auftragskiller, konnte er die Tränen nicht verbergen.
Die acht Monate U-Haft im Backofen waren wie mehrmals durch die Hölle mit nackten Füßen und steifen Beinen.
Aber das sollen die bezahlen,waren seine Rachegedanken, während er sich die Wartezeit damit Vertrieb San José zu Fuß zu erkunden, woran er sonst nicht im Traum gedacht hätte.
Pünktlich nach vier Stunden war er dort wo sein geliebter Bronco auf ihn wartete. Kein Mensch weit und breit, das Tor verrammelt. Ach ja, die Costa Rica Zeit, ein unbestimmter Artikel.
Irgendwann erschien dann doch ein erstaunter Wachmann und teilte Werner mit: "Also das geht nicht so einfach ohne mehr Personal, die meisten Autos springen nicht an, müssen geschoben werden und alles mit nur einer Ausfahrt,da müssen erst mal mehrere raus damit überhaupt Platz zum rangieren entsteht und und und...deiner steht ja ganz hinten". - "Mensch lass mal sehen", - "ne,ne, Zutritt verboten".
Wir schicken eine postalische Nachricht wenn der Wagen abholbereit ist. Ja, "aber wohin"? Die Anschrift wird sich in den nächsten Tagen ändern! "Kein Problem, neue Adresse vorbeibringen", "mensch, wie lange dauert denn das, den Wagen rauszuholen"? "Oooooch, das kann dauern"! Und so verlies Werner mal wieder von der dritte Welt Behördentaktik genervt, den Platz des unvermeidlichen Geschehens.

3. Kapitel

Na dann eben umziehen ohne Auto. Und nicht nur das, erst mal was zum wohnen finden! Dann auch noch in angemessener Entfernung zum jetzigen Dorf, dass ja keiner auf dumme Gedanken kommt, ach ja, eine Schule sollte auch nah sein, eine möglichst nicht so verkommene, sondern eine, an welcher hauptsächlich Kinder von zivilisierten Menschen unterrichtet werden, wenn's sowas hier überhaupt gab.
Da hatte Werner einiges zu tun und wieder mal ohne Auto. Nicht dass ihm Busfahren nicht gefiele, aber da er nun mal leicht als "Gringo" schon von Weitem zu identifizieren war, konzentrierten sich die vom betteln und verkaufen ihres Körpers lebenden Kreaturen doch mit Vorliebe auf solche, zumal diese "Gringos" mit Sicherheit, schon allein aus dem Grund dass sie hier Urlaub machen oder gar hier, fern ihrer Heimat lebten, mit Dollars gesegnet waren.
Doch dieser permanenten Bedrohung konnte man mit ablehnender Haltung und entsprechender Mimik halbwegs entgehen.
Und ob der schulischen Notwendigkeit blieb wohl nichts anderes übrig als in eine Stadt zu ziehen, von denen es ja genug gab und zum einkaufen und bummeln gern für ein paar Stunden besucht wurden, aber dort Wohnen? mitten unter Unverschämten, rücksichtslosen Chaoten?
Und es muss bezahlbar sein, denn Einnahmen gibt es nicht, einen kleinen Garten und vielleicht eine Terrasse haben, ein paar der geliebten Hühner wollten sie schon gerne mitnehmen.
Des langen Suchens bestes Resultat war ein kleines Reihenhäuschen in Alajuela, etwas außerhalb in ländlicher Umgebung in einer durch Mauern, Schranke und Wächter gesicherten, ziemlich neuen Wohnanlage.
Nach Besichtigung und Gutheißung durch den Rest der Familie machten sie Vertrag mit den Eltern der Eigentümer, welche es seit einiger Zeit vorzogen in den USA zu wohnen und sich das winzige Häuschen als Kapitalanlage zugelegt hatten.
Um so günstig wie möglich davon zu kommen, einigten sie sich darauf, die Miete für ein Jahr im Voraus zu bezahlen, woraufhin die geforderten 130 $ auf 100 $ pro Monat sanken.
Einen "Umzugswagen" zu finden war dank der Nähe des Stadtzentrums und dem dortigen bunten Angebot an allerlei exotischen, geländegängigen Kleinlastern überhaupt kein Problem.
Und mit ein bisschen Geschick passte der Krempel auf die kleine Pritsche, denn nach oben waren keine Grenzen gesetzt.
Kühlschrank und Waschmaschine mussten sowieso neu gekauft werden und ob die übrigen Möbel überhaupt in die neue Behausung passten, war noch ein Rätsel.
Und es passte wegen der Wucht der Möbel mehr schlecht als recht, doch zur Not...später dann nach der Klage und der Entschädigung und Schmerzensgeld Zahlung, die nach Aussage von seinen Anwälten "enorm" sein würde, und die sie gerne gegen 33% der zu erwartenden Betrags übernehmen wollen, wollte man sich sowieso verändern, weg aus diesem unwirtlichen Nepper und Korruptionsstaat,wo anders noch mal neu loslegen.
So, nun aber eiligst zum Zoll, die neue Adresse abgeben, oder ja...jetzt nach zwei Wochen haben die das Auto bestimmt schon vornan und warten dass er endlich abgeholt wird.
Das wäre wohl zu schön gewesen. ----"Du bekommst dann Bescheid. Bla...bla...bla".

Na ja, wenigstens die Angelegenheit mit der Schule ist positiv verlaufen, vielleicht liegt es ja daran dass Töchterlein eine Einheimische ist, auf jeden Fall wird sie mit dem Schulbus vor der Tür abgeholt und wieder abgeliefert, auch Essen gibt's frei Schule.
Nur Werner wird nicht abgeholt, aber sein Anwalt kommt vorbei um die restlichen 1000 $ seines Honorars zu kassieren, nachdem Werner nun stolzer Besitzer einer richtigen Telefonleitung ist und ihm die Adresse gegeben hat.
Angesichts ständiger Ausgaben und null Aussicht auf Besserung nutzt er die Situation um mit dem Anwalt die bevorstehende Schadensersatzklage gegen den Staat Costa Rica zu besprechen.
Das hätte Werner besser vor der Bezahlung angesprochen, doch jetzt nachdem der Anwalt das Geld eingesteckt hat, sieht die Angelegenheit garnicht mehr so vielversprechend aus.
"Also...ääää...hmmmm...tja...das müsste ich gut vorbereiten, von wegen gegen den Staat, die haben sehr gute Anwälte, das kann Jahre dauern, vielleicht zehn---oder mehr".
"Ja aber, ich hab doch schriftlich, dass die korrupt sind und das absichtlich gemacht haben"!
"ja, schon aber die werden argumentieren, das Gerüchte umgingen und die Polizei im guten Glauben und Gewissen zum Wohle des Pueblos Costa Rica gehandelt habe"!
"Gut, dann such ich mir einen anderen Anwalt".
Sowas aber auch. Das Geld vom Hausverkauf wurde langsam immer weniger und wer weiß wann die den Bronco rausrücken und ohne Auto...? Am besten einen Wagen für den Übergang holen. Und schon war Werner Besitzer eines Kleinwagens namens Geo-Metro, vergleichbar mit einem Ford Fiesta.
Das war natürlich kein Auto um sich den Weg zu bahnen, eher ein Hindernis auf den mit Löchern übersäten, schlecht unterhaltenen Provinzstraßen, aaaaaber immer noch besser als am diffusen Sozialleben dieser busfahrenden, jeder Art Heiligenfiguren anbetenden, superkatholischen Menschenrasse teilzunehmen.
Außerdem konnte er nun den richtigen Anwalt für den Gegenschlag suchen und ihn gleich persönlich mit dem Fall beauftragen.
Doch nach einigen Wochen des Bemühens und, selbst nach Erhöhung des Honorars auf 50% des zu erwartenden Batzens,war nicht einer bereit Jahrelang ohne Finanzierung zu klagen.
Das fehlte noch, 10 Jahre einen Anwalt zu finanzieren der einem viel erzählen kann.
Was übrigens alle Anwälte am meisten interessierte,war die Formulierung der Begründung des Urteils, die jedoch eindeutig zu Gunsten Werners ausgefallen war. Trotzdem, in Anbetracht der Jahrelangen Dauer der Klage war nichts zu machen.
Was nun?--- Selbst wenn's nur ein paar Jährchen dauern würde, das Geld was sie noch hatten, auf jeden Fall nicht.
Werner musste eine Einnahmequelle finden, aber eine legale, sonst gingen sie über den Jordan!
Viel Geld, um große Investitionen zu tätigen war nicht vorhanden und wenn die vom Zoll jemals den Bronco rausrückten konnte Werner den kleinen verkaufen, aber die 3.500 $ machten den Kohl auch nicht fett.
Der gute Werner, den sonst nichts erschüttern konnte war angesichts der traurigen Aussichten tatsächlich am Ende seiner, an sich optimistischen Weltanschauung.

Dieses änderte sich schlagartig als er eines frustrierten Abends im Fernsehprogramm Der Tele-Tica etwas aufschnappte das sich wie Goldvorkommen in Abangares anhörte, auf jeden Fall war die Rede von GOLD.
Nicht etwa von Goldschmuck, sondern immensen Goldmengen, die einst in Costa Rica gefördert wurden, über das er auch schon vor kurzem in der Zeitung gelesen hatte.
Mensch Werner, dachte er bei sich, wo große Mengen gefördert wurden muss es noch kleine Reste geben.
Und das wär doch mal was anderes. Die Idee allein war Gold wert.
Und schon war die Sendung zu Ende.
Mensch, Mensch, wo war das, in welchem Teil des Landes?
mann, mann , mann, da muss ich hin, Goldsuchen, reich werden, dann können mich die Anwälte!
na ja, Goldsuchen, aber wie geht das?----ach egal, man kann alles lernen
aber wo war das? Man kann ja nicht einfach irgendwo suchen, und wie, womit Goldwaschen?
Am besten mal im Internet recherchieren.
Au weia, Costa Rica ist voll von Goldvorkommen, von Nord bis Süd, aber alles in Naturparks und verboten zu suchen. ach Mann, so'n Mist aber auch. Aber gesucht wird trotzdem von den Einheimischen. Aber wenn die "mich" erwischen hat die Presse wieder Hochkonjunktur. Man stelle sich die Schlagzeile vor "ehemaliger Drogenbaron wegen Goldschmuggel wieder hinter Gittern".
Doch da war noch ein Artikel über eine Gegend, in der es nicht so Gefährlich war, las Juntas de Abangares.
Das war garnicht mal so weit, nur 250km über die Panamericana nach Norden und dann In die Berge. Mist, da war der Wagen nun wirklich nicht für geeignet...Ohhh, mit dem Bronco über Stock und Stein.
Werners Gedanken waren noch nicht gänzlich erkaltet, da kam endlich das heiß erwartete Schreiben vom Zoll. Und er fuhr einmal mehr mit dem katholischen Bus nach San José.
Tatsächlich, da stand er gleich als erster hinter dem Tor, total verstaubt und...irgendwie fremd anzusehen.
Egal jetzt, bloß weg hier...! iVerdammt, der sprang so gerade mal an und läuft wie ein Trecker und überhaupt nicht rund, dachte Werner, aber nach so langer Zeit da wird wohl einiges oxidiert sein.
"Haaaaalt! Hier unterschreiben", - "ja, ja, is gut, auf nimmer wieder seh'n".
Es war wohl das ungewohnte Fahrgefühl, redete Werner sich ein, dass der Wagen schwankte und wackelte wie eine alte Postkutsche, aber auch der ziemlich wenig benutzte drei Liter Austauschmotor wollte kein Gas annehmen und lief selbst nach einigen hundert Metern immer noch, wie es sich anfühlte, auf nur vier von sechs Zylindern.
Dann, in der ersten Kurve schlug es 13. Werner hatte es schwer,den Wagen wieder unter Kontrolle zu bekommen, das Ding war wackliger als ein Lämmerschwanz!
booooo...das ging soeben gut...Teufel, was war denn das? Ist der ganze Rahmen locker und die Räder lose? In Erwartung von nichts gröberem, was man nicht gleich hier hätte regeln können, schmiss sich Werner unter den hochbeinigen Geländewagen, um zu sehen...ja aber was? Da war wenig zu sehen...eher zu wenig!
Es dauerte schon eine Weile, denn von unten war der Bronco nicht so übersichtlich da er an den empfindlichen stellen gegen Steinschlag durch stabile Stahlbleche geschützt war und wer rechnet schon damit das da plötzlich wichtige Teile fehlen.
Gibt's sowas, keine Stabilisatoren und auch keine Stoßdämpfer, neiiiiiiiiiin...
Aber die Räder waren fest! wassssssss...diese alten, schmalen Gurken auf rostigen Felgen?
Unter der Haube sah es auch nicht besser aus, lose Kabel, Schläuche, eine winzige uralte Batterie...kein Wunder dass der kaum ansprang! Nun war auch klar, warum die so lange brauchten, wer weiß, was die sonst noch alles abmontiert hatten und erst besorgen mussten. Aber reklamieren war wohl nicht angebracht, Werner hatte im Anflug seiner Wiedersehensfreude ja unterschrieben und damit die ordnungsgemäße Übergabe akzeptiert.
Verdammt, das gelobte Gold musste vorläufig warten.

Zum Glück kannte Werner ja Nelo aus Grecia, der war nicht sehr weit entfernt von seinem neuen Wohnort. Das war ein kleiner, gewitzter Ersatzteilhändler mit einem Lager voller gebrauchter Teile für eben "solche" Autos.
Dort hatte Werner den Ford Ranger, den er sich kurzfristig nach dem Unfall zugelegt hatte, weil sein Jeep zur Feststellung, der durch den Aufprall entstandenen Spuren beschlagnahmt wurde und den er dann verbeult nach einigen Wochen, als feststand, dass er den bereits als Drogi und Alki bekannten Abschaum mit der linken Seite erwischt hatte, an den Anwalt verkaufte der sich des Falls annahm.
Doch der Motor des Rangers verbrauchte Unmengen an Öl und so tauschte er ihn, weil Nelo ihn unbedingt haben wollte, mit etwas Zuzahlung gegen den Bronco.
Der wurde aus mehreren Komponenten, die nicht unbedingt auf Anhieb zusammenpassten aber bei der Riesenauswahl von Teilen und unter der Fachmännischen Aufsicht von Werner innerhalb einer Woche zu einem Geländefressenden, schicken, fünfsitzigem Allzweckgerät zusammengebaut. TÜV war zu dieser Zeit noch ein gänzlich unbekanntes Wort.
Dort, bei Nelo, hatte Werner immer mal wieder Ersatzteile die es sonst nur selten gab bekommen. Bis, ja,bis man ihn aus dem Verkehr zog.
Nelo war sichtlich erstaunt, Werner zu sehen und auch verärgert, hatte man ihn im Zuge der Ermittlungen als seinen Komplizen verdächtigt und den Laden auf den Kopf gestellt, nur weil der Wagen, mit dem angeblich Drogen verkauft wurden, hier her stammte.
Anscheinend hatte, von den Fernsehberichten inspiriert, tatsächlich niemand damit gerechnet Werner vor Ablauf von 12Jahren in Freiheit zu sehen.
Aber aus investigationstechnischen Gründen musste ja gegen den größten Fisch aller Zeiten, der seine Netze im ganzen Land gespannt hatte, unter den gegebenen propagandistischen Umständen mit allen verfügbaren Mitteln vorgegangen werden.
Dabei wusste es keiner besser als der Polizeimob, dass Werner nichts mit Drogen,der Herstellung solcher, oder deren Verkauf zu tun hatte.

Wohl aber immer wieder mit Cristina, einem zauberhaften, neunzehnjährigen Mädchen nach San José fuhr, um dort in einem hoch konfliktiven Elendsviertel "Leon 13" einen beträchtlichen Knubbel Crac zum Schleuderpreis für sie zu kaufen. Was Cristina natürlich nicht ungedankt lies und ihrerseits Werner, mit ihm bis dahin unbekannten Zärtlichkeiten und einem nie erlebten Glücksgefühl überschüttete.
Das wusste sogar die Obrigkeit des Dorfes Puriscal, denn Cristina war dort bekannt als "Satanasa", so benannt nach ihrem Bruder, dem "Satanas" wegen seiner, den Hörnern des Teufels ähnelnden Frisur. Und dass sie einmalig gut war, in Sachen Sex, war kein Geheimnis, denn viele, die sie unter sich hatten waren begeistert und machten kein Geheimnis daraus.

Jedoch diese, immer wieder höchst sensuelle, märchenhafte Beziehung endete nach drei Jahren mit Werners Festnahme und der ungewiss langen Untersuchungshaft, weil ihm die "Mitinsassen" schon in den ersten Tagen seines Aufenthalts in der Staatspension unmissverständlich zu verstehen gaben, das Cristina, unter wahrscheinlich Diskriminierenden Umständen indirekt an seiner Verhaftung beteiligt war.
Ja, auch Nelo hatte dieses unkomplizierte, sensuelle Geschöpf kennengelernt, als sie ihm damals den Bronco zusammensetzten. Da war Cristina an Werners Seite, hing an ihm wie ein Schatten mit zartbrauner Samthaut mit ihrem kleinen Oberteilchen und den offenen Jeans, aus denen das Bündchen des Tangas keck hervorlugte und dessen Anblick die Monteure, die sich allesamt im Jugendlichen Alter befanden, mehr als nur zum schwitzen brachte.
Und am letzten Tag, als sie den Wagen soweit fertig hatten, lies Nelo es sich nicht nehmen, frühmorgens im Hotel zu erscheinen um Werner mitzuteilen das der Wagen nun fertig sei und ob er vielleicht mit Erlaubnis ein Auge auf die noch nicht gesehenen Teile des Körpers von Cristina werfen kann.
Dies alles schien Nelo vergessen zu haben denn sein besorgter Eindruck wollte nicht weichen, vielleicht, weil auch gerade eine seiner Töchter die Ausbildung bei der Kripo begonnen hatte und er durch die ehemals freundschaftliche Beziehung mit Werner keine guten Erfahrungen verbuchen konnte.
So war er Heilfroh als Werner die bezahlten Ersatzteile einlud und das weite suchte. Als Werner den Platz verließ sicherte Nelo in alle Richtungen, ob nicht doch irgendwelche unbekannten sein Geschäft beobachteten.
So, nun hatte Werner einige Teile die er verbauen konnte, aber Stoßdämpfer, Batterie, Felgen und Reifen musste er neu kaufen.Aber das war kein Problem, denn diese gab's überall, und er hatte ja noch diesen kleinen Wagen zu verkaufen. Das war mit einer Annonce in der Zeitung schnell erledigt.

4. Kapitel.

Und nun konnte er endlich wieder ans "Goldsuchen" denken, denn dort, wo sie jetzt wohnten, war es nicht länger auszuhalten. Im Laufe der Wochen merkten die drei dass Sie am Rand der Einflugschneise des Hauptflughafens "Juan Santa Maria" gemietet hatten, zudem gingen jede Nacht, durch von den Turbinen verursachte Schallwellen, die Alarmanlagen vieler Autos an, ganz zu schweigen von der ewigen Bum-Bum Musik, die am intensivsten von den unmittelbaren, neuen Nachbarn aus Panama, gehört wurde und sich manchmal sogar das Spülwasser im Becken kräuselte. Das sollte ein Ende haben.
Endlich konnte Werner den Bronco satteln und in die Goldfelder aufbrechen. Aber der Weg dort hin führte über die Panamericana und war ca. 250Km lang, was mit Glück einer halben Tagesreise entsprach. Unter diesen Vorraussetzungen wollte Werner sich darauf vorbereiten, mehrere Tage in der Wildnis zu bleiben und im Auto zu schlafen. Aber Mensch, eine Ausrüstung fehlte noch, Spitzhacke, Schaufel und ne Schüssel zum waschen und alte Klamotten, Proviant und, und, was Goldsucher eben so brauchen?
Ach mann, alte Klamotten waren genug da, das ganze Zeugs aus dem Knast, Hacke und Schaufel auch, noch aus der Urwaldhütte und sowas wie ne Pfanne gibt's doch wohl unterwegs zu kaufen.
Aber erst mal los, dann wird man sehen und außerdem hatten sie ja jetzt Telefon, da konnte Werner direkt vom ersten dicken Goldfund berichten.
Der dunkelblaue Bronco war wieder ganz der Alte, ach was, noch viel besser. in Anbetracht dessen, das Werner in die wilden Berge wollte, verpasste er ihm natürlich verstärkte Stoßdämpfer vom feinsten und extra grobstollige Breitreifen auf stabilen verchromten Stahlfelgen, die Kosten für diesen Mehraufwand wären doch ohne Zweifel schleunigst in Form von herrlich glänzenden Goldklumpen eingesammelt!
Doch zunächst mal wurde auf der, auch tagsüber gefährlichen Interamericana, die Ladung eines Trailers aufgesammelt. Es war üblich, dass auf der kurvenreichen Passstraße des Öfteren was verloren ging, bis auf ganze Container und riesige Baumstämme rutschten einfach mal so in den Kurven ab, und wehe dem, der gerade entgegenkam. An blumengeschmückten Kreuzen fehlte es jedenfalls nicht und die Tatsache, dass die aus tausend Flicken und eben so vielen Löchern bestehende, schmale, teils mit frisch entstandenen Bodenwellen überzogen Straße ohne jegliche Markierung war, machte sie auch nicht sicherer. Hinzu kam, dass es in den Bergen keinen Standstreifen gab und auf einer Seite von den meist senkrecht in den Himmel führenden, bewachsenen Steilwänden jederzeit eine Lawine oder zumindest ein paar handfeste Felsbrocken herunterkommen konnten wohingegen die andere Seite ungesichert in einen hunderte Meter tiefen, undefinierbaren Abgrund führte.
Diese Straße sollte man nur benutzen wenn man musste, oder wie in Werners Fall, wenn man keine Wahl hat und dem Lockruf des Goldes folgte. Und dann konnte kein Weg zu schwierig sein auch wenn er wieder durch die Hölle müsste...die sich tatsächlich, ein paar Jahre später auf eben dieser Straße,des nachts spektakulär in ihrer ganzen Schönheit auftat und Werners Schutzengel das letzte abverlangte, oder war es...dass der Teufel ihm Beistand?
Denn Werner war zweifellos ein Teufelskerl und des Nachmittags in dem, von den Medien umschriebenen Bergarbeiter Dorf "Las Juntas".
Ein ganz normales, schlafendes Dorf am Fuße einer Bergkette dachte Werner enttäuscht bei sich,als er langsam die Menschenleere Ortsdurchfahrt passierte und ihn aber auch gar nichts an einen "Goldrausch" erinnerte. Das einzig auffällige war auf der rechten Seite eine kleine, schwarz-rostige Lokomotive und ein paar mit Steinen gefüllte Loren auf einem Stück Gleis, direkt vorne an der Straße, im Vordergrund eines gepflegten Parks. Kurz danach macht die ab hier aus rötlichem Verbundstein Pflaster bestehende, breite, großzügig angelegte Straße,eine Linkskurve und führt etwa 300 Meter geradeaus etwas bergab, vorbei an der Post und einer Art Herrenhäuser auf der rechten Seite und zur Linken vorbei an kleinen, modernen Bungalow ähnlichen Häusern auf einen Engpass zu.
Dieser Engpass war die Einspurige Brücke über den Rio "Abangares", die gerade mal so breit war,das neben einem PKW noch ein Fußgänger Platz hatte und der jetzt im Oktober,also zu Beginn der Trockenzeit nur mäßig Wasser führte. Doch an Hand Der verkeilten Baumstämme in den zerklüfteten, felsigen Böschungen und dem von den Fluten mitgerissenen, abgelagerten Plastikmüll in den Büschen oberhalb des Flussbetts konnte man erahnen dass es nicht so blieb.
Auf der anderen Seite der Brücke befindet sich ein Rondell. In der Mitte desselben präsentieren sich einige Steinfiguren mit Hacke, Schaufel, Helmen und alten Lampen.
Also doch...Hacke und Schaufel, gut dass ich die mitgenommen habe, sinnierte Werner und entschloss sich, nach einer Runde um das Denkmal und vorbei an dem morschen Holzgebäude namens Caballo Blanco", eine Bar, die mit Sicherheit noch aus der "Goldenen Zeit" von vor 100 Jahren stammte, dem rechten Weg flussaufwärts in Richtung "Monte Verde" zu folgen.
Auf dieser Seite des Flusses tat sich eine andere Welt auf, ähnlich der Armenviertel die Werner aus der Hauptstadt kannte.
Aller mögliche Schrott wurde hier verwahrt, alte Autowracks vor ungepflegten Häusern, zwischen Wellblechhütten und überall lagen Säcke herum, zerfetzte und halb volle Hühnerfuttersäcke. Aber Hühner waren nicht zu sehen...merkwürdig?
Und hier soll es Gold geben?...Ein ganzes Dorf lebt davon?...Vielleicht...
aber wie?
Neugierig Blicke anscheinend "heruntergekommener" Menschen begleiteten Werner, so dass er dem Bronco die Sporen gab um diesen elenden Teil des Goldenen Dorfes schnell hinter sich zu lassen
Er war so enttäuscht und schockiert dass er den verwitterten Schilderwald aus Brettern und die Abzweigung, welche aus einem staubigen Platz bestand in dessen Hintergrund sich ein Weg anschloss, erst wahrnahm nachdem er ein gutes Stück daran vorbeigefahren war. Bedingt durch die nun ansteigende Straße konnte er auf den noch parallel verlaufenden, sich allmählich nach rechts windenden, mit grobem Schotter bedeckten Weg, aus dem an einigen Stellen Felsbrocken herausragten, hinunterschauen.
Was stand da gleich noch, Thermalquellen? Bergbaumuseum? Lehrpfad?, La Sierra, nichts von Gold? Das war eine "Schotterpiste" wie Werner genau gesehen hatte. und solche, unberechenbaren Wege interessierten ihn schon immer, weil dort nicht Jedermann herfuhr.
Wofür hatte er schließlich einen super Geländewagen? Und Gelände gab's in diesem Land in Überfluss.
Also, an der nächsten Möglichkeit wenden und hinein in die Wildnis.
Denn vom "Willen" hatte Werner von Geburt wegen ne Menge abbekommen, nur die dazugehörigen Wege musste er halt persönlich suchen.
Und diese waren nicht immer unergründlich, dafür aber in schlechtem Zustand. Musste er doch ganz schön kurbeln um den gefährlich weit herausstehenden Felsen auszuweichen, die sogar dem Unterboden eines für die Wildnis entworfenen Fahrzeugs gefährlich werden konnten. Jeden Tag wollte er nicht diesen Weg fahren müssen. Obwohl...wenn das Gold hier auf der Straße läge könnte man drüber nachdenken.
Der Weg führte nun verschlungen und schmal durch schlammiges Gelände,was wohl daran lag dass er sich jetzt den Platz zwischen den Felswänden mit einem Bach teilen musste. Dann wurde es lichter, da stand auf der rechten Seite, direkt am Bachufer mit ein paar Metern Vorgarten bis zum Weg, ein Häuschen mit einem großen Plakat das sagte: "Zu Verkaufen, zu Vermieten". schon verfiel Werner in Träumerei...man, das ist ja noch idyllischer hier als unsere alte Hütte! Und...ach man, die Schule...
Weiter, weiter, nun wurde der Weg besser, so dass er den Namen auch verdiente, die Landschaft wurde offener, voraus erschien eine Ansammlung von, na ja, "Haushütten", links zweigte ein ansteigender, halb zugewachsener Weg ab, danach ein kleiner Platz an dessen Rand sich eine Bar und ein Lebensmittelladen angesiedelt hatten. Weiter über eine einfache Brücke aus Baumstämmen und Bohlen, die ohne jegliche Geländer den schmalen,vielleicht vier Meter breiten, knietiefen Bach überquerte. Eine merkwürdige Konstruktion aus Holz kam links hinter den Bäumen zum Vorschein, ein riesiges Rondell mit Tribünen, ähnlich einer Arena für Gladiatorenkämpfe. Dem verwahrlosen Zustand nach zu urteilen waren denen wohl die Kämpfer ausgegangen,oder...suchten lieber Gold!
Aber wo war bloß dieses Museum,dort könnte Werner nach dem Gold und allem "drumherum" fragen?
Und dann dachte Werner er sieht nicht richtig, rechter Hand auf einer Anhöhe gelegen eine Anzahl Moderner, gepflegter Gebäude an dessen größtem unübersehbar das Magische Wort "Escuela" stand. Das war Grund genug zum ersten Mal anzuhalten, denn es durchzuckte ihn unwillkürlich bei diesen unabwendbaren Gedanken...Schule...Häuschen am Bach...Gold...Paradies!
Na also, war doch garnicht so schwierig zu finden,und auch noch so nah beisammen, da ist das Gold zweifelsohne auch nicht mehr weit.
Der Weg, der nach der Schule merklich schlechter wurde endete mit leichtem Gefälle im Geröll des hier wohl 50 Meter breiten, aber aus Wassermangel sich in mehrere kleine Rinnsale aufteilenden "Rio Abangares".Kurz vor dem Fluss lagen einige an den Hang gebaute Hütten mit allerlei verrosteten Kübeln und Gestängen davor.
Aber das sogenannte "Goldmuseum" war total verrammelt und es sah verdammt so aus als wäre es das schon seit geraumer Zeit. na ja, bei dieser Zufahrt? Hier war keine Hilfe zu erwarten.
Auf der gegenüberliegenden Seite türmten sich die Felsen auf und an den weniger bewachsenen stellen konnte man mit etwas Fantasie Höhlen erkennen. Die Versuchung war groß, dort zu suchen, aaaaaber eine Überfahrt kam nicht in Frage, zu zerklüftet war das Flussbett. So drehte Werner entmutigt den Wagen und fuhr enttäuscht zurück.
Aber auch kein Mensch weit und breit den man fragen könnte, und das bei dieser herrlichen Wärme von gerade mal 35 Grad. Da wäre eine kühle Erfrischung angebracht die in der Bar oder dem Laden daneben doch zu bekommen sein müsste.
Tatsächlich bekam Werner mehr als er erwartet hatte,nämlich außer einem köstlichen, hausgemachten Getränk namens "Chan",in dem sowas wie Froscheier schwammen, auch Antwort auf seine, eigentlich dumme Frage wo denn hier das Gold wäre?..."Na in den Bergen"! "welchen Bergen"? "Na hier in den Bergen, überall"! "Und wie kommt man dahin"? ..."Gleich hier rechter Hand den Weg rauf"! Ah, dieser zugewachsene Weg der ihm schon auffiel als er hier ankam.
Gut, die müssen's ja wissen, na dann mal los.
Und Der Weg war noch fieser als der Eindruck den er erweckte. Die Mittelnabe war so hoch gewachsen dass eventuelle Hindernisse erst als unverkennbares "klopfen"zu erkennen sein würden, auf der rechten Seite verschmierten Büsche von bananenähnlichen Gewächsen die Scheiben und links verkratzten die Dornen wild wachsender Zitronenbäume den gerade erst auf Hochglanz polierten Lack. Mit geschlossenen Scheiben und dem Mut der Verzweiflung wühlte sich Werner gaaaaanz vorsichtig durchs unwirtliche Gestrüpp.
Nach 50 Metern war der Spuk plötzlich vorbei, doch keinesfalls zu Ende. Der Weg bestand jetzt aus Steinen, so, wie aus dem Fels gesprengt und liegengelassen.Da ging kein Weg vorbei den Allrad mit Untersetzung einzulegen und es ging auch noch aufwärts in dem losen Geröll aber wenigstens mit geöffneten Fenstern.Sollte dieser Pfad nicht in die Berge führen?
Der einzige Berg hier, war die Steigung die Werner vor sich hatte, und zu beiden Seiten ein paar "Gartenlauben" und abgebrochene Äste die in den Weg ragten, und ein ausweichen, bedingt durch die großen Steine,zu einer schweißtreibenden Angelegenheit machten.Wenn dass noch Kilometer so weitergeht ist der Wagen im Arsch und was dann?- kein Gold, kein Geld, kein Auto, keine Zukunft...verdammtes Gold!
Doch wie meistens, wenn Werner glaubte es geht nicht weiter, ging es doch. Nach bezwingen der letzten, steilen, buckeligen Felsformation wandte sich der Weg nach links und änderte wie von Zauberhand seine Struktur in einen ganz normalen Waldweg. Der große,kläffende Hund, der von der rechten Böschung an der weit oben ein Haus zu sehen war heruntergerannt kam, erschreckte Werner, der damit rechnen musste dass der ihn durchs offene Fenster anspringt, so trat er aufs Gaspedal und...wenig passierte. Ach Mensch ja,die Untersetzung noch rausnehmen...aber dann, der Weg lud zum rasen ein,war anständig breit und führte am Fuße der Hügel, auf denen Rinder grasten, in Richtung der bewaldeten Berge.
Nach einigen langgezogenen Kurven änderte sich die Landschaft, die schwarze Erde wurde zu einer rötlich- gelben, was Werner natürlich aufatmen ließ. Der Ausblick auf ein großes Tal und das Weideland,das ungefähr im 45 Grad- Winkel zu seiner Linken über hunderte Meter abfiel,tat sich vor ihm auf. Jetzt merkte er auch, dass er sich, entgegen seines Gefühls, doch schon in den Bergen befand und die Hügel rechts von ihm die Bergkuppen waren, Doch dieser eigentlich gepflegte Weg passte nicht zusammen mit dem höllischen Stück unten im Dorf.


5. Kapitel

Nach einer aus Natursteinen erbauten wohl sehr alten Brücke mit dicken Mauern als Geländer, die über einen tief ins Gelände eingeschnittenen Gebirgsfluss führte, verlor sich der Weg auf einem wohl hundert mal fünfundzwanzig Meter großen, ebenen Platz, an dessen Breitseite, nahe am Rand der Böschung zum Fluss, sich ein langgezogenes Gebäude mit fünf rustikalen Türen befand, vor dem ein altes, dreckiges Nissan Pick-Up stand. In einigem Abstand neben dem Gebäude,ein aus Natursteinen gemauerter Brunnen von guten drei Metern Durchmesser, mit einem senkrechten Stahlrohr in der Mitte, auf dem ein schwerer Stahlträger der aussah wie ein Stück Eisenbahnschiene, von ca. zwei Meter Länge lag. Merkwürdiges Ding, dachte Werner während er langsam weiterfuhr um keinen Staub aufzuwirbeln, und eine Ausfahrt,die nicht sichtbar war, er aber am Ende des Platzes vermutete, zu finden.Doch die gab es nicht, das heißt, sie war schon vorhanden, aaaaaber durch eine Ladung Baumstämme blockiert.So wie es aussah waren die von einem Wagen gerutscht der versuchte den tief ausgewaschenen,kiesähnlichen, steilen Weg zu erklimmen, was auch mit dem Bronco nicht ganz einfach werden würde, denn da der Weg am Ende des Platzes scharf rechts, ähnlich einer Haarnadelkurve nach oben führt,konnte man keinen Anlauf nehmen.
Verflixt kam es ihm in den Sinn, vielleicht ist das ja hier ein Privatgrundstück und ich bin hier einfach so frech reingeschneit. Den Spuren am Boden nach zu urteilen, fährt hier kaum ein Wagen her. Also nach einer Durchgangsstraße sieht das hier nicht...Noch nicht zu ende gedacht geht eine Tür auf und ein jüngerer Mann im Hawaiihemd und halb langen Hosen guckt in Werners Richtung.
Verdammt, da kommt schon einer...wie'n Goldsucher sieht der aber nicht aus----ach,einfach mal freundlich nach dem rechten Weg fragen. Werner verlies das sichere Auto und wartete nervös daneben auf den barfüßigen Mann. Der setzte schon auf halbem Weg ein breites Grinsen auf, als ob er genau wüsste was jetzt kommt.
Doch damit hatte der im Traum nicht gerechnet dass jemand von ihm wissen wollte wo denn das Gold sei. Nach der obligatorischen Begrüßung hatte Werner gleich mit fester, ernster Stimme gefragt: Wo findet man denn hier das Gold, ich würde nämlich ganz gern was suchen!
Dem Typen verging das grinsen, er drehte sich um und ging.
Oh, war wohl doch die falsche Frage.
An einem Steinhaufen suchte der 1,75 Meter große, gedrungene Mensch nach kleinen Stücken, spuckte darauf, rieb mit den Fingern daran und kam zu Werner zurück.
Mit den Worten: "Hier hast du Gold" drückte er ihm einige schwarz-weiß milchige, glasähnliche Steine in die Hand.------ja, ja lass mal gutsein
Also wirklich, da ist Gold drin. Er spuckte wieder darauf und drehte und wand sie gegen das Licht der untergehenden Sonne bis einige winzige gelbe Pünktchen sichtbar wurden. Das könnte alles sein, auch Hühnerfutter, dachte Werner weil er auch hier wieder diese alten Säcke rumliegen sah.
Das Gold ist in feinen Teilchen im Quarz gebunden mal mehr, mal weniger, wenn man Glück hat mehr Gold als Stein, das ist dann Bonanza.
Hier, da hinter den Baumstämmen auf der Finca haben der Besitzer Martin und seine Brüder voriges Jahr fünf Kilo 18 Karätiges Gold aus der Erde geholt, das war ein sogenannter "Nagel" Quarzgestein der schräg acht Meter tief in den Boden reichte.
Halloooooo, das hört sich schon besser an ... "und wo kann ich hier suchen"?
"Das ist nicht so einfach, hier sind Hunderte am Werk, jeder hat sein Gebiet das er beansprucht und als Ausländer...Aber auf meinem Grund könntest du suchen"!
Diese Einladung nahm Werner nur zu gerne an und da es eh schon dunkel war gingen sie in das Haus der fünf Türen und lernten sich bei Kerzenlicht kennen.
schnell war klar warum Jose diesen US Akzent hatte und immer wieder englische Worte einschmiss. Er war erst voriges Jahr aus den USA zurückgekehrt, nachdem er vor zwanzig Jahren im Alter von 16 dorthin geflüchtet war, weil er hier jemanden umgebracht hatte...aus Notwehr natürlich!
Also das war für Werner nichts Neues, die Mörder im Knast hatten auch alle in Notwehr gehandelt und waren trotzdem zu saftigen Strafen verurteilt worden. Da war es schon verständlich dass einer, solange er noch konnte, lieber die Flucht ergriff.
Jose "war" dort in Texas verheiratet und arbeitete im Unternehmen seinen Frau, die im Auftrag der Banken, Autos deren Kreditraten nicht bezahlt wurden, aufspürte und sicherstellte.
Doch das sehr starke Band zu seiner Mutter veranlasste ihn nach zwanzig Jahren, in denen die Angelegenheit verjährt war nach Costa Rica zurückzukehren, jedoch keinesfalls als armer Mann.
Außer einer Menge Dollar brachte er mehrere alte Straßenbaumaschinen, wie Planierraupe, Radlader, Bagger u.s.w. mit, inspiriert durch die Kommunikation der Familie, dass die Straßen in seinem Heimatdorf "Monte Verde" auf dem Stand von vor zwanzig Jahren seien. Des Weiteren befanden sich in seinem Gefolge zwei riesige GMC Pick-Ups mit Zwillingsbereifung und ein Wohnwagen.
Dass aber niemand Prophet im eigenen Land, noch weniger im eigenen Dorf sein kann, bekam Jose schnell zu spüren.Obwohl sein Dorf, das in kühlen 1500 Höhenmetern lag, bekannt für seinen Käse und ECO- Tourismus sowie seiner saumäßigen Straßen war, blieb man ihm, nachdem die Maschinen immer wieder durch teure Reparaturen ausfielen und er gesteckte Ziele nicht einhalten konnte, die Bezahlung schuldig.
Vom größten Teil seines zur Neige gehenden Kapitals kaufte Jose dieses, seit zwei Dekaden verlassene Grundstück auf dem sich das ehemalige Verwaltungsgebäude der letzten Minengesellschaft befand und machte es wieder bewohnbar, nachdem er schmerzlich erfahren musste dass er in "seinem" Dorf, ob der Vorfälle in ferner Vergangenheit nicht sehr willkommen war.
Seine, aus der Erkenntnis des nicht endend wollenden Tourismus in "Monte Verde" geborene Idee war, ein Rustikales Restaurant mit angeschlossener Demonstration der Goldgewinnung.
Das Brunnenähnliche Gebilde war also eine Steinmühle in der sich zwei besonders harte, ausgesuchte Steine drehen sollten die mit Ketten am Stahlträger befestigt werden, die, das in einem Steinbrecher zu feinem Schotter zerkleinerte Quarzgestein unter Zugabe von Wasser und Quecksilber bis zum Gehtnichtmehr mahlen bis nur noch feinster Schlamm übrig bleibt. Den man dann mit viel Wasser bei sich drehenden Steinen durch ein am Rand des Bodens integriertes und während des Betriebs mit einem Lappen verschlossenen Abflussrohrs aus der "Mühle" spült, bis in der durch die Schleifwirkung entstandene Vertiefung nur noch das mit Gold gesättigte Quecksilber zurückbleibt. Welches dann im Idealfall durch ein Ziegenleder, oder in Ermangelung desselben durch den Stoff eines Regenschirms gepresst wird, unter verdrehen desselben, bis kein Quecksilber mehr austritt und eine harte Kugel übrig bleibt, die dann zu zwei Dritteln aus "Gold" besteht und noch durch verdampfen des restlichen Quecksilbers Purifiziert werden muss.
Das klang sehr kompliziert, so hatte Werner sich das nicht vorgestellt und von Geschäften, die mit Tourismus zu tun hatten, wollte er, seit er vor vierzehn Jahren stolzer Besitzer einer bekannten Bar mit Livemusik auf Lanzarote war, überhaupt nichts mehr wissen. Das hatte er zur Genüge, dieses unberechenbare auf und ab, abhängig sein von Leuten die vielleicht in Horden kommen, oder aber nicht, weil irgendwelche Reiseveranstalter sich andere Ziele, aus welchem Grund auch immer, ausgedacht hatten.
Werners Einstellung sollte aber kein Hinderungsgrund dafür sein, dass man nicht zusammen dem Leben etwas abgewinnen könnte.So kamen sie überein, das Werner nur für das heranschaffen des goldhaltigen Gesteins zuständig war, Jose es verarbeiten würde und wenn möglich mit Rat und Tat zur Seite steht.Das ganze besiegelten sie mit einem Fifty -fifty Handschlag, nach dem Jose erleichtert Seufzte "Dich schickt der Himmel".
Dabei war Werner doch ohne Auftraggeber unterwegs.
Auch werde er Werner ein kleines Grundstück, das auf der entgegengesetzten Seite der Ausfahrt lag und auf dem sich ein vier mal fünf Meter großes Gemäuer ohne Dach befindet, welches der ehemalige Lagerschuppen für das Dynamit war, zum lebenslangen wohnen überlassen.Welches Werner in Eigenregie durch um und Anbauten in ein schickes Häuschen verwandeln könnte.
Hörte sich alles nicht schlecht an, doch zum Bauen war weder Zeit noch Geld übrig und die zwanzigtausend Dollar die noch blieben und von denen sie ungefähr sechshundert im Monat zum Leben benötigten, sollten nicht unnötig strapaziert werden.
Dann, wenn das zu erwartende goldene Zeitalter begann, würde Werner vielleicht bauen lassen und "sich" lieber mit dem Gold abschleppen.
Vorläufig war zwar nicht mit Reichtum zu rechnen, aber Jose hatte dieses Grundstück nicht ohne Hintergedanken gekauft. Grenzte es doch an ein Stück Land auf dem bereits Mengen an erstklassigem, goldhaltigen Material gefördert wurden und um in dieses Terrain zu gelangen müsste man mit einem Tunnel dort hin. Nach Josés Aussage gehörte der Untergrund niemandem.
Und genau gegenüber von seinem Haus, die Böschung, ist der ideale Eingang für einen Stollen. Unter dem Weg durch, ca. dreißig Meter lang geradeaus, "dann wären wir inmitten unberührter Erde", aber auf dem Weg dorthin kann jederzeit ein "Bändchen," wie die kleinen Adern genannt werden, den Stollen kreuzen und dann...

Diese Nacht schlief Werner nicht besonders gut, was aber keinesfalls nur daran lag, das er im Bronco nächtigte. Dieses mehr als geschäftliche Gespräch mit Jose gab Werner den nötigen Auftrieb, die Zukunft wieder mit trockenen Augen zu sehen.
So ein "Tünnelchen" hätte er doch in null Komma nix fertig.War ja nicht nötig einen zwei mal zwei Meter großen Tunnel zu öffnen wie die Minengesellschaft. Für eine Schubkarre reichte ein Meter in der Breite und vielleicht zum bequemen laufen ein Meter achtzig in der Höhe. Denn je weiter man vordringt um so umständlicher wird es, den Abraum hinauszuschaffen, der übrigens laut Jose, die Böschung zum Fluss hinunter gekippt wird.
Am Morgen "danach" musste Werner noch vor dem Frühstück die schmerzliche Erfahrung machen, was es bedeutet,wenn der Himmel seine Leute "schickt".
Es war Jose sichtbar unangenehm einzugestehen das er Pleite war und noch nicht mal was zum Frühstück, oder sonst was zu essen hatte.
Um seine Situation zu rechtfertigen, legte er nach. Als er noch in Monte Verde "der" Straßenbauunternehmer war, lernte er eine ältere Dame kennen mit Namen "Theiß",die gerade Witwe geworden war und von einem jungen Liebhaber höchst angetan. Ihr verstorbener, belgischer Mann, von dem sie zwei Kinder hat, die aber nicht mehr bei ihr Leben, vermachte ihr laut Testament Haus und Hof und eine monatliche Unterhaltszahlung. Um diese zu erhalten, muss sie Jährlich, eidesstattlich, notariell beglaubigt nachweisen, dass sie alleine lebt und keinen Liebhaber hat. Doch dieses Mal ist die Zahlung ins Stocken geraten und so kann sie im Moment keine Hilfe leisten.
Der alte Belgier wird schon seinen guten Grund gehabt haben,er kannte schließlich seine Frau über fünfundzwanzig Jahre.
Auf jeden Fall wusste man im Himmel nichts davon, sonst hätte man nicht ausgerechnet Werner geschickt.
Doch ob Himmel oder Hölle, Werner "vertrat" nichtsahnend beide und drückte Jose bereitwillig einen hundert Dollar Schein in die schwitzende Hand, in der Hoffnung noch etwas an Wechselgeld wiederzusehen.
Überglücklich schwang sich Jose in sein Pick-Up um ins Dorf zu fahren.
Währenddessen Werner die Böschung in Augenschein nahm und die ihm am optimalsten erscheinende Stelle vom Gestrüpp säuberte.
Die Böschung war von harter Konsistenz, ähnlich Sandstein, da wäre es leicht einen Stollen ohne jegliche Bewehrungen vorzutreiben.
Als Werner die Spitzhacke versuchsweise in den Hang schmetterte staunte er nicht schlecht über die Unnachgiebigkeit dieser goldgelben Formation
Das würde kein leichtes Spiel werden!
In Erwartung eines reichlichen Frühstücksbüffets, welches nötig war um diesen Erdwall mit geballter Muskelkraft zu bezwingen, warf Werner ein neugieriges Auge auf das von Jose, ihm angebotene Gemäuer
Der in zwei Ebenen, durch einen geringen Höhenunterschied unterteilte Platz, beschattet von mehreren meterdicken, in den Himmel ragende Bäume lag vor einer grauen Felswand in die sich kurz über dem Boden ein enormer Baum mit glattem, rötlich grünem Stamm krallte und dessen Krone über dem ehemaligen Dynamit Lager schwebte.
Der Fluss, der an der Brücke noch tief eingeschnitten ins Gelände seinem steinigen Lauf folgte, fiel hier über mehrere Terrassen vom Himmel.
Doch viel interessanter erschien Werner die kleine Quelle deren Lauf schleimig rot gefärbt war. Die trat dort neben der Felswand aus einem Steinhaufen am Fuße eines, wie es aussah, Erdrutsches hervor.
Zu diesem Zeitpunkt wusste Werner noch nicht, das sich dort der Eingang des Haupttunnels befand, in dem die kleine Dampflock, die er unten im Dorf gesehen hatte, vor unendlichen Jahren das Material aller in der Kilometerweiten Umgebung liegenden Minen ans Tageslicht förderte und der seit dreißig Jahren nur wenige Meter unter einem Erdrutsch begraben lag und auf Werner wartete.

Endlich kam Jose freudestrahlend mit einer Unzahl prall gefüllter Plastiktüten und einer vollen Gasflasche zurück, was darauf schließen Lies , das es kein Wechselgeld mehr gab. Dafür zauberte er ein hervorragendes Frühstück.
Danach spuckten beide in die Hände und auch Jose wollte zeigen dass er sehr wohl mit der Hacke umgehen konnte.
Schnell fanden sie auf den Boden der Tatsachen zurück. Es ist verdammt nicht einfach, dem Gold auf die Schliche zu kommen, schon garnicht mit einer Spitzhacke, angetrieben durch Muskelkraft.
Doch Werner wäre nicht Werner, noch weniger am Ende der Welt, wenn er nicht im Ernstfall eine Himmelsleiter im Gepäck hatte und seine dunkelgrauen Zellen sich an extreme Situationen anpassen konnten.
Aus seiner Zeit am Bau und der Jahrelangen Selbstständigkeit Auf Fuerteventura hatte er natürlich Erfahrung mit der Bearbeitung Widerspenstiger Materialien und da kam nur eins in Frage, ein potenter Elektrohammer. Was Beton zerfetzte, müsste diesen Sandstein erst recht in Stücke reißen.
Doch der Elektrohammer hatte am Ende des Kabels einen Stecker der in eine Stromführende Dose gesteckt werden musste damit er lief, die es aber auf Josés Grund nicht gab.
Das war nach Rücksprache mit Jose, überhaupt kein Problem, er könne in einem nahegelegenen Dorf mit Namen "Miramar",wo sein Vater wohnt, einen Generator besorgen.
Mittags trat Werner voller Zuversicht den Rückweg an, um seiner tapferen Familie die Hiobsbotschaft zu überbringen und zugleich auch einige von jenen Steinen mit besonders vielen gelben Punkten. Da könnten sie sich schon mal freuen und sehen dass es tatsächlich Gold gibt, denn Werners Frau konnte mit der Idee des "Goldsuchens" nicht so richtig was anfangen. Ihre ganze Sorge galt der Schule und der Aufzucht der Tochter. Doch, an einem gemeinsamen Ausflug währe sie schon interessiert, aber am Wochenende, wenn Schulfrei ist.
Werner konnte das Wochenende kaum erwarten um endlich den Bohrhammer, den er zum stolzen Preis von fünfhundert Dollar gekauft hatte,ins Gebirge zu rammen.Damit kannte er sich aus und hat auch gleich noch, außer jeder Menge Meißel, einige dicke Steinbohrer gekauft.
Der Ausflug war eigentlich eine Strapaze. Werners Frau war seit der Geburt der Tochter nicht mehr reisetauglich und krallte sich in jeder Kurve an die Haltegriffe.Aber es musst sein. Bevor sie zu Josés Camp fuhren, zeigte Werner den beiden erstmal das Häuschen am Fluss und die gepflegte Schule um ihnen später schonend beizubringen dass ein Umzug vielleicht ja garnicht das schlechteste wäre...
Kurze Zeit später konnte Werners Frauchen, die er nach dem Mauerfall auf Fuerteventura als Urlauberin kennenlernte, sich von der Seriosität Josés überzeugen. Natürlich hatte ihr Werner nichts von der unheimlichen, mörderischen Vergangenheit und seinem Geldmangel berichtet.
So, nun wussten sie wie es um ihre Zukunft bestellt war und wo Werner das Glück am Schwanz packen wollte.
Und wenn es tief im Innern, eines vor mehr als fünfzig Jahren, mit Hilfe von Unmengen Dynamit ausgehöhlten Berges sein musste, der sich durch einen fatalen Fehler unaufhörlich mit Tonnen von Schlamm füllte und den einzigen Ausgang wie eine Grabkammer versiegelte in der Werner und Hilbert seit Tagen vergeblich nach dem gelben Metall forschten.

Wieder erwarten stand Montagmittag kein Stromerzeuger zu Werners verfügung, wozu Jose die Erklärung jedoch nicht schuldig blieb, wollte er doch nicht schon wieder um Geld für Benzin betteln. Also fuhren sie mit dem Bronco,ins immerhin siebzig Kilometer entfernte Miramar. Werner mochte es nicht glauben, statt Gold zu finden, suchten sie eine "Planta Eléctrica", die Jose nach mehreren Anläufen tatsächlich geliehen bekam. Ein für ihre Zwecke überdimensioniertes Gerät mit sechs KW Leistung, dessen Spritverbrauch sie wohl mit Gold aufwiegen müssten...wenn sie bloß schon welches hätten.

Aber ab jetzt war der Fortschritt nicht mehr aufzuhalten. Obwohl Jose ohne Zweifel ein moderner Mensch war und Elektrohämmer kannte, wäre er nie auf die Idee gekommen das man sie selbst in Ermangelung eines Stromanschlusses auch für solche "Erdarbeiten" gebrauchen kann. So stand er erwartungsvoll mit dem Ausdruck der Bewunderung hinter Werner und ließ es sich nicht nehmen den Abraum eigenhändig zu entsorgen. Natürlich war so ein Werkzeug Gold wert, doch man musste auch damit umgehen können und das konnte Werner. So standen die Beiden nach ein paar Stunden im Eingang Ihrer eigenen "Mine".Der Benzinverbrauch war viel geringer als erwartet und bei den niedrigen Preisen konnte Jose auch die Beleuchtung des Hauses abzweigen, denn um sechs Uhr wurde es schlagartig Dunkel. Dank Jose fehlte es nicht an elektrischer Ausrüstung, die ihnen nun zugute kam, denn vorne im Stollen der sich Stück um Stück der Hölle näherte brauchte Werner immer Licht.
Nach geschätzten zehn Metern erschien das erste Hindernis, ein Fels im Boden, unumgänglich
Das war der Moment als Jose die glänzende Idee hatte Dynamit zu besorgen, das wäre kein Problem, die arbeiten alle hier damit.
Werner kannte sich mit Sprengstoff nicht aus, noch nicht!.....




6. Kapitel
Dynamit, das war hier im kleinen Dorf "Las Juntas" So etwas wie das tägliche Brot, jeder brauchte es, überall bekam man es und es lag wie Donnerrollen über dem Tal. Jose schleppte gleich eine Kiste voll davon an, mit Zündkapseln nebst Zündschnur. Sein breites Grinsen unterstrich beim Ausladen das "ach bin ich gut" Gefühl.
Werner staunte nicht schlecht, hatte er noch nie Dynamit live gesehen und dieses, was Jose brachte, sah nicht so aus wie er es aus Filmen und Berichten kannte. Kaum zu glauben das solche silbrig-schleimigen, harten, wurstähnlichen Stangen solch verheerende Wirkung haben.
Solange Josés Geschäfte sich nicht auf Werners Geldbeutel auswirkten war ihm alles willkommen.
Während Josés Abwesenheit hatte Werner nach seinen Angaben das Loch im Fels gebohrt. Fachmännisch verband Jose den Zünder mit der Zündschnur und steckte ihn in ein Stück Dynamit von ca.zwanzig Zentimetern Länge, versenkte sie ins Bohrloch, stopfte mit einem Stück Holz Pappe nach und verdichtete sie vorsichtig. Mit einem Feuerzeug entzündete er die kurze Lunte, dann rannten sie hinaus um neben dem Eingang des Stollens den "Wumms" zu erwarten.
Es dauerte gar nicht lange, da machte es "Peng",- wobei es auch blieb.
Nachdem der Rauch verflogen war, mussten sie feststellen dass die Zündkapsel wohl nur das "Dynamit" in Stücke gerissen hatte, welches in Fetzen an Wand und Decke hing.

Wie gut, dass gerade jetzt ein Goldsucher auf dem Heimweg war und gerade diesen Weg wählte, oder war es aus Neugierde weil es sich herumgesprochen hatte dass Werner mit neuer Technik dem Berg zu Leibe rückt?
Wie dem auch sei, er kannte die Lösung des Rätsels.
Nach einem Blick auf die Kiste mit dem silbrig – schleimigen Sprengstoff meinte er das dieses Zeug zu alt und nicht mehr brauchbar sei! Das spornte Jose an in anderer Richtung zu suchen. Aber dazu mussten die Baumstämme, die den Weg blockierten, bewegt werden.
Was natürlich unter diesen Umständen höchst vorrangig war und mit Allrad- und entsprechenden Gurten keinen allzu großen Aufwand erforderte.
Werner war gespannt wohin dieser Weg führte, den sie mit Josés klapprigem
Pick-Up erklimmen wollten.
Nach der, von jahrelangen Sturzfluten ausgewaschenen Steigung, die Jose mit hüpfendem Wagen, am Unterboden hämmernden großen Steinen, und scheuernden Reifen bezwang, wurde der Weg, den die letzte Minengesellschaft angelegt hatte, besser und breiter. Zu beiden Seiten sah es aus als hätten Tiere dort gewühlt, alles voller Löcher, Gräben und tiefer Schächte.
Das letzte Stück des sich durch den Wald schlängelnden Weges, eine ca. Zweihundert Meter lange Steigung, war sogar betoniert und endete in der Kurve eines gut befahrbaren, ebenen Schotterweges.
Jose kannte diesen, aber auch eine Abkürzung. Die führte im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein, über ein schräg abschüssiges, bemoostes Felsgestein mit Stufen und Spalten und durch ein verschlammtes mit Felsbrocken gespicktes Bachbett, in dem dicke Aststücke, die einst als Unterlagen in den tief ausgefahrenen Spurrillen dienten, herausragten. Die konnten sogar einem Geländewagen erheblichen Schaden zufügen. Das ignorierte Jose und sprang mehr als dass er Fuhr, über dieses vermeidbare Hindernis. Wahrscheinlich war es nicht sein Auto - oder er wollte demonstrieren was er kann!
Im Handumdrehen befanden sie sich in mitten mehrerer Häuser. Das war das Dorf "Tres Hermanos"oder auch "La Chiri" genannt. Dort gab es eine Bar mit Karaoke, eine durch Entwicklungshelfer halb fertiggestellte Schule und eine Kooperative, die "Coope de Oro", der die meisten Goldsucher, auch "Coligalleros" genannt, angeschlossen waren.
Deren Vorsitzender, Organisator, Leiter oder wie immer man ihn nennen mag, auch Eigentümer der Bar und mehrerer Steinmühlen war, die er, wenn nicht selber nutzend, vermietete.
Alfredo, ein kurzer, gedrungener, sehr sympathischer Mann hatte jahrelang, wie viele hier aus dem Dorf, für die letzte Kompanie gearbeitet und sich nach und nach Werkzeuge und Ausrüstung "besorgt", und kannte auch sonst alles und jeden. Er war aus einer alteingesessenen Familie und beliebt im ganzen Land. Sein Vater wurde vor langer Zeit von einem rivalisierenden Clan erschossen. Seitdem lebte er in ständiger Anspannung.
In der leeren Bar, ein nackter großer Raum mit einer schäbigen Theke trafen sie auf Alfredo.
Jose hatte Werner unterwegs schon vor den Leuten hier oben gewarnt, es wären nur Säufer, Diebe und Schwätzer, mit denen er am besten gar nicht redet.
So besoffen wie die heruntergekommene Gestalt in der Ecke des Tresens war leuchtete das ein.
Anscheinend, um sich ein bisschen wichtig zu tun, stellte Jose Werner als seinen Teilhaber vor und das er Spezialist im Tunnelbau ist und mit kleiner Maschine große Löcher macht.
Mehr wurde nicht verraten. Und Alfredo hatte richtiges Dynamit. Das sah gänzlich anders aus. Hellbraun wie dünne Fleischwürste, weich und sauber, einen halben Meter lang. Und er Hätte auch wieder Quecksilber bekommen - das Kilo für gute Freunde fünfundzwanzig Dollar. Das "Mercurio", wie es hier genannt wurde, hochgiftig war, interessierte absolut niemanden. Wurde es doch schon seit einem halben Jahrhundert ohne feststellbare Schäden von den "Coligalleros" als einziger und leicht zu beschaffender Katalysator für die Goldgewinnung verwendet.
Nun war es wieder einmal so weit, dieses Dynamit musste bezahlt werden und das natürlich von Werner, aber mit fünf Stangen zu je drei Dollar war es doch sehr preiswert und sie hatten wahrscheinlich vorläufig genug zum Spielen.
Dann kam Jose mit der Sprache raus dass die Kiste die er angeschleppt hatte als Zahlung für ein altes Geschäft sein sollte - und bevor er gar nichts bekommen würde…
Das neue "Zeug" donnerte wie ein Kanonenschuss. Aus dem Tunnel flogen die Fetzen. Das gefiel Werner. Der Fels wurde zerschmettert wie nichts, pure Action für ein paar Dollar. Ganz schön knallig - da kamen ihm die tollsten Rachegedanken.
Aber erst mal vorwärts, dem von Jose vorhergesagten Glück entgegen.
Zwei Wochen waren wie im Flug vergangen in denen Werner kaum richtig geschlafen hatte, na ja, so ein Auto ist halt nicht zum Schlafen konzipiert. José hatte ihm in seiner Hütte einen Schlafplatz auf einem Stück Schaumstoff am Boden angeboten, das erinnerte ihn an die ersten Wochen im Knast, aber man lag wenigstens gerade. Währen da nur nicht diese Monsterspinnen des Nachts an Werner herumgekrabbelt, so das er es vorzog doch lieber im Bronco zu nächtigen.
Aber auf lange Sicht gesehen war es an der Zeit, ein Häuschen zur Miete zu finden, denn die Familie freute sich doch bestimmt schon auf den Umzug in diese warme, schlangenreiche Region.
Das idyllisch gelegene Häuschen am Bach käme aber auf keinen Fall in Frage, denn nach Josés Erfahrung überschwemmt der in der Regenzeit zum reißenden Fluss werdende Bach regelmäßig Haus und Garten. Dieses Phänomen kannte Werner zur Genüge. Dort, in ihrem Urwaldhäuschen in Puriscal, wo sie sieben glückliche Jahre verbrachten, befand sich so ein idyllischer Wasserlauf nahe der Hütte, allerdings in ca. zehn Meter tiefe, am Ende eines mit Bananenstauden bewachsenen Abhangs. Wenn dann im Mai die Regenzeit begann, dauerte es nicht lange bis der Bach zur Furie wurde und bei länger anhaltenden Regenfällen die schmutzigen, alles mit sich reißenden Fluten schnell eine beängstigende Breite erreichten. Nach der Regenzeit war wie jedes Jahr die Landschaft um den Bach herum neu modelliert, was natürlich auch seinen Reiz hatte.
Das Häuschen hier in der Sierra stand jedoch tatsächlich unmittelbar auf einer minimalen Erhöhung am Ufer. Auch wenn die Gegend bisher nicht von zerstörerischen Niederschlägen heimgesucht wurde, und der Wasserlauf vielleicht nicht sehr lang war, so dass er in diesem Gebiet nicht die Unmengen von abfließendem Regenwasser aufnehmen musste, hießt das aber nicht, dass es auch für alle Ewigkeiten so bleibt.
Josse hatte schnell etwas anderes ausfindig gemacht. Vielleicht mit nicht ganz uneigennützigen Absichten. Ein richtiges Haus, mit Terrasse, zwei Schlafzimmern, großem Bad, Wohnzimmer, Küche und - Telefon für 35.000 Colon, das entsprach in etwa, bei einem Kurs 1€ = 620 Colon, 55 € im Monat. Das ganze auf ansteigendem Grund, alleinstehend neben einem Pinienwäldchen, fünfhundert Meter von der schönen Schule entfernt.
Natürlich hatte auch dieses Haus ein Wellblechdach mit von innen sichtbarer Konstruktion, doch die Wände waren ganz aus Stein, aber die Zwischenräume zwischen den Dachbalken von der Mauer zum Wellblech mit Fliegendraht geschlossen und nicht wie üblich offen, um allerlei Viechern wie Fledermäusen, Geckos, Fröschen, Libellen oder allem möglichen was die Wände erklimmen konnte Einlass zu gewähren.
Auch die großen Fensteröffnungen waren mit metallischem Fliegendraht versehen und zusätzlich mit Maschendraht gesichert. Dass es keine Fenster im Sinn von "Fenster"gab ließ darauf schließen dass es hier immer schön warm war.
Und sie wären eng mit der Schule verbunden, das Anwesen gehörte nämlich der ziemlich in die Jahre gekommenen Schuldirektorin, Señora Leticia, die unmittelbar hinter dem Haus einen Stall mit einigen Milchkühen hatte, die Sie täglich in aller Herrgottsfrühe zusammen mit ihrem Mann versorgte.
Welchem eigentlich im Anschein des Augenblicks keinerlei Bedeutung zuzumessen war. Aber in Anbetracht der sich häufenden Vorkommnisse und dass die beiden Alten, täglich Nachts um hab fünf, auf einem stinkenden, knatternden Moped ohne Auspuff daherkamen, das Mietverhältnis nicht all zu lange bestehen ließ.
Nun gut, Jose tat sein bestes und wie schon erwähnt vielleicht aus nicht uneigennützigen Gründen. Bis zum Moment lebte er von Werners Wohlwollen was den Lebensunterhalt betraf, und je näher Werner bei der Arbeit und mit Familie wohnte, desto geringer das Risiko dass er nicht mehr wollte. Hatte Jose doch gleich kurz nach dem Kennenlernen Werner das Grundstück mit dem Dynamitschuppen geschenkt.
Und mit dem Geld welches sie von ihrem jetzigen Vermieter zurückbekommen geht's auch ein Stück sorglos weiter.
So machten sich die beiden beurlaubten Goldsucher Freitagabend auf den Weg, die frohe Botschaft zu überbringen, um am nächsten Morgen alle zusammen die neue Bleibe zu besichtigen, schließlich sollte Werners kleine Familie in Augenschein nehmen, was auf sie zukam.
Und es passte wieder einmal alles, auch Licia war angetan vom Blondschöpfigen Neuzugang.
Noch schnell den beiden staunenden Mädels den bis jetzt geschaffenen Tunnel zeigen, der für sie wohl eher irgendein Erdloch war und dann nichts wie zurück nach Alajuela, die Pläne in Taten umsetzen.
Nach sonntäglichem Anruf kamen die Vermieter mit ihrem kläffenden Chihuahua auch tatsächlich am Nachmittag vorbei und waren wenig erfreut über die Neuigkeiten. - "Dann müsst ihr aber für die drei Monate die volle Miete zahlen", - kein Problem, - "bleibt aber noch eine Rückzahlung über neun Monate von ca. 1000 $". "Ja, aber nicht so schnell - das Geld ist fest angelegt, das kann ein paar Wochen dauern. Und außerdem,- Mietvertrag….unterschrieben….
Und da Werner lange nicht beim Anwalt war, konnte er den Montag nicht erwarten. Also fuhr er mit dem Mietvertrag zum erstbesten. "Tja, das liegt am Wohlwollen der Leute, können den Vertrag vorzeitig beenden und das Geld zurückzahlen, sind aber dazu nicht verpflichtet so lange sie die Wohnung zur Verfügung stellen…". Und sofort verstand Werner was dieser kläffende Chihuahua zum Ausdruck bringen wollte.
Doch es gab auch etwas Positives an diesem schwarzen Montag. Werner traf nämlich genau diesen Kleinlaster vom letzten Umzug und heuerte ihn auf der Stelle an, und auch noch einen Gehilfen. Da sie ja schon länger auf einen Umzug gefasst waren und das meiste verpackt war, konnte es jederzeit losgehen.
Und was letztes mal auf den Wagen passte, musste ja dieses Mal auch passen, war es doch nur ein Kühlschrank und eine kleine Waschmaschine aus Plastik mehr. Dafür konnte nun der Bronco einiges laden. Bloß weg hier, aus dieser stinkenden, lauten Gegend.
Der Laster fuhr am frühen Nachmittag los, haushoch beladen. Nur das es dieses Mal durch die Berge ging in denen schon mal Äste tiefer als erwartet über der Straße hingen oder Bodenwellen einen über den Schwerpunkt beladenen Wagen leicht ins Schwanken bringen oder…
Werner machte sich eine Stunde später auf den Weg und überholte auf halber Strecke seine schwankenden Habseligkeiten. Als sie an der neuen Bleibe ankamen war Jose mit den Schlüsseln auch vor Ort.
Rechtschreibprüfung bis hierhin.
Auf jeden Fall hatten sie hier keine Probleme, die Möbel unterzubringen. So machten sie sich voller Vorfreude daran, den zugewachsenen Eingang der neuen Bleibe vom Unkraut zu befreien. So verging die Zeit des Wartens auf den Umzugswagen, der ja nicht lange auf sich warten lassen dürfte - aber nicht kam... Und es wurde Nacht... Na ja, bei diesen alten Autos konnte schon mal etwas brechen, aushaken oder seinen Geist aufgeben. Dafür war der Service aber auch fast geschenkt. Endlich bahnten sich zwei diffuse Scheinwerfer durch das Gestrüpp des Feldwegs ihren Weg. Am Klang des Motors des betagten Kia erkannte Werner dass es der Wagen mit ihren Möbeln war - zumindest mit einem Teil. Jaaaaa, irgendwann hätte er gemerkt, als immer wieder Überholende Fahrzeuge ihm gehupt hatten, Dass sich wohl die Seile gelöst haben müssen und teile der Ladung verloren gegangen waren.
Er sei denn aber gleich fünfzig Kilometer zurückgefahren und hat das, was er im Dunkel der Nacht im Licht seiner Scheinwerfer finden konnte wieder aufgeladen. Entsprechend war der Zustand der ohnehin nicht sehr wertvollen Sperrholzmöbel. Ach wie eintönig wäre das Leben, wenn es nicht auch mal etwas Außergewöhnliches zu erleben gäbe. Und in ein paar Tagen lachen sie doch nur noch über diesen Umzug der sie doch wieder mal ein Stück näher ans Paradies heranführte, an das ersehnte Paradies, in dem es aber keinen Platz für Mittellose gab. Denn so ein Paradies hatte seine Mitglieder im Griff und kassierte einen erheblichen Batzen vom Vermögen als Mitgliedsbeitrag. Da konnte es sich bei Werner nur um einen Batzen Gold handeln. Doch der war noch irgendwo im Berg verborgen und wartete ...
Ansonsten war da nur noch das Willenskapital des unermüdlich nach vorne Drängens. Doch davon konnte Werner seiner kleinen Familie nichts kaufen.
Ein Grund mehr, den Stollen voran zu treiben.


Das siebte Kapitel bald.
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Re: Costa Rica - beim zweiten Mal tut's nicht mehr so weh!

von A-lemann » Sa Dez 19, 2015 5:36 am

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Re: Costa Rica - beim zweiten Mal tut's nicht mehr so weh!

von AlexS. » Fr Sep 28, 2018 5:44 am

ein interessantes Buch. Damit muss ich mich mal intensiver beschäftigen. Liebe Grüße aus dem Luxushotel Südtirol (http://www.belvita.it/de/belvita-hotels/)
 
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Re: Costa Rica - beim zweiten Mal tut's nicht mehr so weh!

von A-lemann » Fr Sep 28, 2018 6:26 am

Hallo AlexS,
Schön von dir zu höhren.
Wenigstens einer der es interessant findet und es zumindest von sich gibt!
Ist halt eine meiner Lebenserfahrungen.
Aber es ist kein Buch! Und ich will auch nichts verkaufen!

Liebe Grüße von mir zurück aus dem sonnigen Spanien / Guadix
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